Alltag | Schwangerschaft

Was ich eigentlich so esse ;) Oder auch: Die Sache mit dem Vegan-sein

April 12, 2015

Ich hab mir sehr lange überlegt, ob ich diesen Beitrag eigentlich schreiben soll. Noch länger hab ich mir überlegt, wie ich diesen Beitrag schreiben soll, was auch erklärt, dass er erst so unendlich spät in meiner Schwangerschaft hier auftaucht. Es geht um das leidige Thema Ernährung und damit überschreite ich heute mal eine viel persönlichere Grenze, als ich es gewöhnlich auf diesem Blog mache.

Angefangen hat alles zu Jahreswechsel 2011/2012. Da ich bereits vegetarisch lebte und ich mir persönlich in der Fastenzeit immer ein Ziel bzw. eine Aufgabe setze, hab ich mir vorgenommen, mich bis Ostern mal vegan zu ernähren. Ich gebe gerne zu, es war die ersten Wochen die absolute Hölle. Im Nachhinein betrachtet, lag es aber wohl eher an meinem Unwissen und meiner Faulheit, denn aus Unsicherheit und auch zu wenig Einlesen, hab ich mich hauptsächlich auf vegane Fertigprodukte im Handel und den offensichtlich Veganen (Reis, Nudeln, Obst, Gemüse,…) eingeschränkt. Das Ergebnis war unglaublich teuer, einseitig, langweilig und unbefriedigend.
Erst gegen Ende der Fastenzeit entdeckte ich das vegane Kochen und irgendwie wurde es dann doch  ganz schnell ganz normal. Die Fastenzeit ging zu Ende und nachdem ich mir zu Ostern dann doch gekochte Freilandeier (ja, ich weiß, die Männchen-problematik ist dabei trotzdem nicht ausgeschlossen) gegönnt hatte, blieb ich irgendwie trotzdem vegan. Ich setzte mir kein Ziel, ich hatte auch keinen Zwang, es war einfach meine persönliche verlängerte vegane Fastenzeit 😉 Das ganze ist nun schon über 3 Jahre her und bis auf bewusst gesetzte Ausnahmen, bin ich auch weiterhin vegan.

Meine Blutwerte haben sich nicht verändert, das bedeutet aber auch, dass sie sich weder verschlechtert noch verbessert haben. Ich bin auch der Überzeugung, dass vegan an sich keine gesündere Ernährungsform ist, wie bei allem ist es immer die Frage der Umsetzung. Denn abgesehen von der anfänglichen Gewichtsabnahme wegen der einseitigen Ernährung ist auch meine Statur gleich geblieben. Der Grund ist recht einfach: Es gibt leider auch saugeile vegane Süßigkeiten, deftige Burger, leckere Cupcakes, süffige Cremesuppen, dicke & fette Saucen, und von den ganzen tollen Pasta- und Kartoffelgerichten will ich erst gar nicht anfangen 😉

Aber es hat schon eindeutige Vorteile, die ich auch erwähnen möchte: Abgesehen von der ethisch-moralischen Verantwortung unserer Umwelt gegenüber (zum Thema Tierleid, Umweltschutz, Ökologie, usw. findet ihr bestimmt genug im Netz) hat die vegane Ernährung für mich persönlich auch gesundheitliche Punkte, von denen ich stark profitiere.

Zum einen leide ich an einer Purinstoffwechselerkrankung, was konkret bedeutet, dass mein Körper Purine im Essen ungewöhnlich stark in Harnsäure umwandelt. Da in Fleischprodukten ohnedies viel Harnsäure enthalten ist, aber eben auch noch zusätzlich viele Purine, geht mein Körper praktisch mit Harnsäure über. Das Ergebnis sind unglaublich schmerzhafte Artritisschübe, während derer ich kaum gehen oder mich fortbewegen kann. Zwar sind auch viele Purine in z.B. Soja enthalten, aber nicht so viele, wie in Fleisch und da ich darauf ja verzichte, gelangt auch die viele Harnsäure nicht in meinen Kreislauf. Fazit: Ich bin bis auf einen einzigen Fall seit 06/2012 beschwerdefrei, von Arthritis kann ich nur noch aus meiner Vergangenheit berichten 😉

Der zweite Vorteil ist die jedem Menschen angeeignete Laktoseunverträglichkeit. Tatsache ist, dass der Mensch das wohl einzige Säugetier auf dieser Welt ist, dass nach dem Säuglingsalter noch Milch zu sich nimmt. Viel eigenartiger in meinen Augen aber ist dabei, dass wir zwar irgendwann aufhören, die arteigene Milch zu konsumieren (man sehe sich nur die Problematik des Langzeitstillens an) dann aber im Zuge dessen beginnen, artfremde Milch und nichtmal von Verwandten, wie den Primaten, sondern von Huftieren zu uns zu nehmen. Neulich hab ich einen Beitrag zu einer Dame gefunden, die doch tatsächlich Katzenmilch tränke und fand das jetzt auch nicht wesentlich befremdlicher, als die Tatsache, dass wir Milch von Kühen, Ziegen oder Schafen als alltäglich ansehen.
Gut, jetzt bin ich abgeschwiffen. Fakt ist, dass der Mensch, so wie übrigens jedes Säugetier nach dem Säuglingsalter die Fähigkeit verliert, Milch korrekt zu verarbeiten. Wir sind es aber aufgrund unser kulturell geprägten Ernährungsform auch weiterhin gewohnt. Da der Körper einfach über Jahre hinweg täglich mit Milchprodukten konfrontiert wird, bleiben wir es auch weiterhin einfach gewohnt. Was aber passiert, wenn man mal dem Körper eine Milchpause gönnt, lässt sich danach leicht erkennen: Der Körper hat diese Fähigkeit abgelegt und beschwert sich dann mit dementsprechenden Reaktionen, sofern er nicht schon davor beginnt, gegen den Milchkonsum zu rebellieren (Allergien, Hautprobleme, Neurodermitis, Magenerkrankungen, ach die Möglichkeiten sind scheinbar grenzenlos) So ist/ war es auch bei mir: Das erste Mal ein Milchprodukt zu mir genommen, nachdem ich einige Monate vegan lebte, rächte sich mit einem unglaublich fiesen Magenkrampf, gefolgt von schrecklichen stundenlangen Bauchweh und war erst mit einem ekligen Durchfall abgeschlossen.

Das sind so ungefähr meine Gründe, warum ich mich dazu entschlossen habe, mehr oder weniger vegan zu leben. Ich sage dies bewusst so und ich reihe mich selber auch weder in die Liga der Veganen, noch sonst wo ein, sondern ich haben für mich eine Entscheidung getroffen, wie ich leben möchte. Ja, ich verzichte MEIST auf tierische Produkte, damit ecke ich regelmäßig in der „normalen“ Gesellschaft an. Aber eben genau das: Ich verzichte nur MEIST auf tierische Produkte, womit ich leider auch in der vegan-Szene of anecke. Das mag wohl auch der Grund dafür sein, dass ich mich nur selten als solches auch oute. In den letzten 3 Jahren habe ich schon viele Tiere durch meinen Verzicht vor dem Tod bewahrt, ich bin aber ein sehr traditioneller Mensch und entscheide mich gelegentlich eben auch ganz bewusst für tierische Produkte, wie z.B. letzte Woche zu Ostern, als auch ich bunt gefärbte Ostereier gegessen habe.

Meine Schwangerschaft war was dies betrifft überhaupt ein sehr heikles und sensibles Thema für mich. Ich glaube fest daran, dass es möglich ist, in der Schwangerschaft vegan zu bleiben und seinem ungeborenen Kind eine gesunde und ausgewogene Ernährung zu bieten. Und ich hab es auch wirklich versucht, ich hab mich bemüht und ich habe sehr mit mir gekämpft. Aber ich geniere mich auch nicht ehrlich zuzugeben, dass ich es leider selber nicht geschafft habe. Gerade in der Zeit der Hyperemesis war ich teils so verzweifelt und hatte so große Angst wegen der Unterentwicklung, die zeitgleich mit meinem Gewichtsverlust von fast 10kg zusammenhing, dass ich hier resignierte und aufgab.
Mein Arzt riet mir übrigens in keiner Phase der Schwangerschaft von der veganen Ernährung ab!

Wie es in der Zukunft weitergeht werde ich oft gefragt. Wie schon immer wieder bei bestimmten Themen erkennbar, sehe ich mich/ uns als dezent alternativ angehaucht, eigentlich gar nicht so alternativ, sondern wahrscheinlich eher ursprünglich angehaucht. Wir versuchen den Spagat zwischen dem Ursprünglichen und Wesentlichen zu erhalten und das ganze trotzdem in die aktuelle und moderne Gesellschaft einfließen zu lassen. Fakt ist, wir wollen stillen und das auch recht lange. Wenn es geht würde ich Krümelchen gerne gut ein Jahr voll stillen, wobei wir je nach Entwicklung gern auch mit (veganen) BLW kombinieren würden. Danach werden wir sehen, wie es aussieht und sicherlich oft in den unterschiedlichen Situationen individuell entscheiden. Wir wollen Krümelchen nicht zu einem Außenseiter machen, trotzdem aber auf vieles, was in unseren Augen einfach unnötig und teils sogar schädlich ist, verzichten.

Ich weiß, dass das ein sehr heikles Thema ist und ich möchte hier ganz dringlich darauf hinweisen, dass es sich hier nur um meine bzw. meines Liebsten eigene Gedanken handelt, die dazu geführt haben, warum wir eben so leben, wie wir leben. Wir haben uns das gut überlegt und glaubt mir, wir haben genug Zeit mit sämtlichen Argumenten verwendet. Mit unserer Lösung sind wir nun glücklich, auch wenn wir wissen, dass es ein stetiges Herumlaufen, Erklären, Umdenken, Entscheiden usw. bedeuten wird.
Wir kritisieren aber niemanden, wir wollen nur uns selbst erklären, da wir nicht unüberlegt so agieren, wie wir es eben tun!

Ach übrigens, auf die Frage, was es z.B. heute bei uns zum Essen gab: Eine Gemüssepfanne mit Reis, Seitangyros und Sojacuisine 😉 Geschätzte 1000 Kalorien, geschmacksintensiv, vielleicht sogar ein wenig gesund, aber hauptsächlich superlecker 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

commentluv

%d Bloggern gefällt das: