Baby 0-12 Monate | my2cents

Warum mein Kind schreien darf

Juli 7, 2015

Ursprünglich wollte ich diesen Beitrag anders nennen: Warum ich mein Kind schreien lasse.

Diese Aussage ist aber sicherlich zu kontrovers, wird sie doch nur all zu eng mit der schwarzen Pädagogik des letzten Jahrhunderts in Verbindung gebracht. Mit „lassen“ meine ich aber eher ein „zulassen“, ein „ermöglichen“, ein überspitzt gesagt „erlauben“.
Denn das ist es, was mein Sohn darf: Manchmal ists einfach scheiße! Er ist satt, kein Bauchweh, kein Zahnweh, gerade frisch abgehalten, also auch kein Ausscheidungsbedürfnis, kuschelnd im Arm, also auch mit viel Liebe umgeben und trotzdem schreit er.
Was also machen? Einige Generationen vor uns hieß es noch, das Kind würde die Eltern erziehen, würde trotzig etwas erzwingen wollen. Heute weiß man, dass das rein kognitiv noch nicht möglich ist. Ein Kind unter 1,5 Jahren kann nicht verwöhnt werden, es meldet ein Bedürfnis auf das reagiert werden muss.


Auf diese, sogenannte schwarze Pädagogik folgte dann aber genau das Umgekehrte: Man darf sein Kind nicht schreien lassen, es muss so schnell wie möglich beruhigt werden. Dass es dabei gar nicht mehr auf das Kind und seine verzweifelte Situation ankommt, sondern viel mehr darum, dass es ja brav sein müsse, vor allem in der Öffentlichkeit oder in Gesellschaft, wird irgendwie total dabei vergessen. Der Fokus liegt am braven (zum „braven“ Kind muss ich auch noch was schreiben…) und leisen Kind, dabei ist egal, was die Situation auslöst, Hauptsache, es wird wieder ganz schnell leise und zeigt sich von seiner besten Seite. Denn immerhin spiegelt sich im braven Kind die erfolgreiche Erziehung der Eltern. Und man will ja nicht sein Gesicht verlieren…

Mein Kind darf schreien, wenn ihm danach ist! Im Grunde ist unser kleiner Mann ja ein sehr entspannter und realxter Erdenbürger. Er lacht viel, er schläft abhängig vom Tagesablauf ~ zwischen 13-16 Stunden, er spielt gerne, er erlebt gerne neue Sachen, ist neugierig und kuschelt auch gerne mit ihm bekannten aber auch fremden Menschen. Aber es gibt manchmal einfach Situationen, die ihn ankotzen. Das kann daran liegen, dass er Zahnweh hat, es ihm zu heiß ist, oder aber auch einfach weil er trotz erdrückender Müdigkeit noch nicht schlafen möchte. Meist hilft dann schon Kuscheln, gern auch in Verbindung mit Nuckeln an der Brust oder beim Papa am Flascherl. Manchmal aber ist er dann schon so überreizt, dass auch das nicht hilft. Und dann lass ich ihn einfach schreien! Jetzt nicht so, wie man sich das klassisch vorstellt: Baby weglegen und weggehen. Nein, ich nehme ihn in den Arm, streichle seinen Kopf und spreche viel mit ihm. Dabei sage ich ihm aber nicht „Ach, ist doch nicht so schlimm! Wird schon wieder gut werden! Warum regst dich denn so auf?“ Von mir bekommt er dann eher sowas zu hören: „Ich weiß, grad ist alles scheiße! Und du darfst dich auch darüber aufregen! Ich bin für dich da! Gemeinsam stehen wir die Situation durch! Wir schaffen das! Ich helf dir so gut ich kann! Erzähl mir, was du gerade so scheiße findest!“
Natürlich weiß ich, dass Krümelchen kein Wort davon versteht, aber darum geht es nicht! Es ist nicht die verbale Kommunikation, die er mitbekommt, sondern viel mehr die nonverbale, die dabei mitschwingt. Immerhin funktioniert die menschliche Kommunikation nur zu 20% auf dem Verbalen, 80% unserer Kommunikation findet nonverbal statt. Und das spüren schon die Kleinsten von uns. Was ich nämlich nicht beeinflussen kann: Mit diesen Aussagen gestehe ich ihm das Schreien zu und werde damit automatisch entspannter. Ich selber bin ruhiger und auch meine Tonlage bietet Sicherheit. Denn anstelle nervöser und gestresster Sprachmelodie hört und spürt mein Sohn meine Zuversicht, meine Ruhe und dass ich sein Fels in der Brandung bin. Und genau dieses Gefühl kann ich ihm mit meinen Worten vermitteln.
Lange schreit er dann in der Regel nicht, wenn er sich augekotzt hat, ists auch wieder gut. Er liegt in meinem oder Papas Arm und darf sich in wohliger Umgebung ausruhen und beruhigen. Und das geht meist sehr schnell 😉

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