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Warum für uns nur Reboarder in Frage kommen

Februar 10, 2018
Reboarder

Ich bin: ein Sicherheitsfan

Krümelchen hatte ja massig Probleme damit, sich hinlegen oder gar anschnallen zu lassen. Da er ohnedies keinen Kinderwagen hatte war das im Alltag erstmal kein Problem, wir haben ihn ja eh getragen. Und da wir ihn auch sonst nie festschnallen mussten (kein Buggy, kein Festschnallen im Hochstuhl usw.) hat sich hier das Problem auch nicht gezeigt… aber da gab es noch das Autofahren bzw. ganz speziell: die Babyschale…
Wir haben recht schnell gemerkt, dass er nicht gern Auto fährt, es war zugegeben auch nicht schwer zu erkennen. Kaum musste er in die Babyschale, gabs Gebrüll. Wir haben alles versucht, ich saß bei ihm hinten, er wurde abgelenkt, wir hatten ein ganzes Spielzeugarsenal, aber nichts half. Es war also klar, dass wir sobald wie möglich auf einen Folgesitz umsteigen wollten. Doch so klein, wie er war, fühlte es sich einfach nicht richtig an, ihn bereits in Fahrtrichtung schauen zu lassen.

Hör auf dein Gefühl

Wir haben uns deswegen erstmal nach einem passenden Sitz zu unserer Station umgesehen. Da wir bereits die Maxi Cosi 2way Familyfix Base für die Babyschale hatten, zog sobald Krümelchen die erforderlichen Maße hatte, der 2way Pearl ein. Endlich war es wieder friedlich während der Autofahrten, sobald der Kleine hinausschauen konnte, wurden unsere gemeinsamen Fahrten wieder lustig. Leider erst kurz danach stieß ich auf das Thema rückwärtsfahren bzw. Reboarder. Denn anders als mein Bauchgefühl, sagt die Babyindustrie leider, dass ein recht baldiges Vorwärtsfahren möglich ist. Nun ja, möglich heißt nicht sinnvoll, geschweige denn ratsam… Es hat nur wenige Klicks gebraucht, um die statistischen Werte, ausgearbeiteten Studien und tatsächlichen Todes- bzw. Verletzungszahlen rauszusuchen. Und es hat nur ein Klick in meinem Kopf gebraucht, um sofort zu beschließen, dass ich unsere Kinder so lang wie irgend möglich rückwärts fahren lassen möchte…

Der Ausstieg aus dem System

Maxi Cosi ist als bekannte Marke eine gute Richtlinie dafür, was man so macht/ hat/ kauft. Wie ihr wahrscheinlich schon wisst, hab ich so meine Probleme mit diesem ominösen man und mache mir gern selbst ein Bild bzw. bilde mir meine eigene Meinung. In diesem Fall hab ich mich dazu entschlossen, meine Kinder so lange, wie möglich rückwärts fahren zu lassen. Da beide Jungs recht groß und schwer sind, wird es wohl ohnedies nicht so lange gehen, wie erhofft. Doch da stieß ich bald an die Grenzen des leicht Verfügbaren: Der normale Fachhandel bietet in der Regel keine rückwärts gerichteten Sitze über 18 Kilo an. (Rückblickend betrachtet wäre das bei uns wohl schon recht bald, denn immerhin wiegt Krümelchen mit seinen 2 Jahren bereits 16 Kilo… Also nix da mit 4 Jahre… ) Wir mussten also aus dem normalen System raus und zu einem speziellen Fachhandel… nur blöd, dass es damals dazu kaum etwas gab. Über eine Facebook Gruppe zu Reboardern bin ich auf schnall-mich-an gestoßen und bekam recht bald einen Termin.

Einen Termin, um einen Kindersitz zu kaufen?

 

Gut, ich hatte mir das ehrlich gesagt anders vorgestellt. Ich dachte, ich gehe da in ein Geschäft, bekomme ein Verkaufsgespräch und kaufe dann den Sitz… Aber nope, bei einem Reboarder läuft das nicht so ohne Weiteres. Wie ich erfahren habe, muss ein Reboarder zum Auto, dem Kind und vorallem dem Vordermann passen. Denn, und das lässt sich nicht abstreiten: Reboarder brauchen echt viel Platz! (Übrigens theoretisch auch nach vorne gerichtete Kindersitze, denn auch bei denen gibt es Mindestabstände. Da fällt es lediglich nicht auf, wenn der Vordersitz zu knapp am Kind ist…)

Der 1. Tag

Der Termin war dann ein Großaufgebot. Mit 2 Autos, 2 Kindern, wir Eltern und der Omi, die uns dabei half, fuhren wir vor und hatten zuerst mal ein Gespräch, was wir uns ungefähr vorstellten. Nach einer kleinen Vorabauswahl wurden die Ausstellungsexemplare dann von den Kindern probegesessen. Dabei stellte sich recht schnell heraus, die beiden sind ganz schön groß und Miniknübsi auch noch ganz schön… naja, ähm… sagen wir mal, man hat viel an ihm zu knuddeln 😉 Da wir aber sehr lange rückwärts gerichtet fahren wollten, wurde uns von der Spazialistin der Axkid Minikid empfohlen, der für Kinder bis zu 25 Kilo bzw. 125cm geeignet ist. Wir bauten also die Sitze in die Autos und schachtelten hin und her. Denn inzwischen hatten wir ein weiteres Problem: Miniknübis wurde für die Babyschale bereits zu groß und schwer, war aber noch zu klein für Folgesitze. Dank Wedge, Babyeinsatz und steiler Neigung mussten wir nur noch wenig warten, bis er in den Reboarder durfte, aber so eilig hatten wir es eh nicht, denn: Der Sitz war nicht lieferbar!

Wartezeit für Reboarer

Da wir insgesamt 6 Sitze, mit 7 Schonbezügen (1 zum Wechseln), 3 Wedges, 3 Babyeinsätzen und wegen des Omiautos auch noch ein passendes Teil für die Fußklappe brauchten gab es eine Wartezeit! Die Firma kam der aufkommenden massiven Nachfrage nicht mehr hinterher und wir mussten daher mehrere Wochen warten. In der Zwischenzeit war Miniknübsi groß genug für den Reboarder und an einem weiteren Termin fuhren wir wieder gemeinsam, diesmal mit allen 3 Autos hin und ließen alle Reboarder einbauen. (Inzwischen war aus schnall-mich-an eine Filiale der Zwergperten geworden, die im Zuge dessen auch einen neuen Standort bekam)

Mein Fazit

Unsere Kinder sind noch nie vorwärts gefahren, sie kennen es nicht anders und haben absolut keine Probleme damit. Dank 2 übergroßen Spiegel  an den Nackenstützen der Rückenlehnen kann ich sie hervorragend sehen und nicht nur das: Auch meine Kinder sehen mich sehr gut! Krümelchen kann durch den Spiegel sehen, welches Auto vor uns fährt, ob wir gerade rot haben und dass ich den Scheibenwischer angeschalten habe. Beide Jungs sehen mein Gesicht bzw. meine Augen dank der Spiegelung im Rückspiegel, sie quatschen mit mir, erzählen mir fleißig, was ihnen so durch den Kopf geht und singen mit mir mit. Die einzigen Menschen, die wohl etwas umdenken müssen sind wir Erwachsenen, die es noch nicht anders kennen. Meine Jungs sitzen bequem und mit viel Beinfreiheit da hinten, sie schauen sich Bücher an, spielen mit Spielzeug oder schlafen einfach entspannt. Wir haben es noch nie bereut, komplett auf Reboarder umgestiegen zu sein.

schlafen im Reboarder
Gemütlich Schlafen auf fast jeder Heimfahrt.

Im Folgenden noch kurz die Fragen, mit denen ich am Häufigsten konfrontiert wurde:

Wie finanziert man so etwas?

Nur mit Hilfe! Ich sags ehrlich, wir hätten diese Summen niemals finanziell stemmen können. Zu Anlässen wurde nur Geld gewunschen und außerdem hat uns die Omi Geld geborgt und die 2 Garnituren in ihrem Auto auch noch selbst gezahlt… Mir ist klar, dass das nicht so einfach ist und nicht jeder das Glück hat, aber viele Faachverkäufer bieten Ratenzahlungen an und in Reboardergruppen findet man inzwischen auch schon gebrauchte Reboarder, die ohne Mängel wesentlich günstiger abgegeben werden. Übrigens haben wir einen ordentlichen Zwillingsrabatt bekommen 😉

Würde ich es wieder so handhaben?

Ja definitiv! Es war aufwändig, langwierig und nicht zu vergessen teuer! Außerdem haben wir wirklich wenig Platz in unseren Autos und können z.B. niemanden spontan mitnehmen. Aber mal ehrlich: Wie viel Aufwand hätte ich mit einem querschnittgelähmten Kind? Wie teuer wäre eine Beerdigung? Und wie aufwändig wäre die Genesung einer massiven Rückenmarksverletzung? Für mich persönlich steht das in keinem Verhältnis zu einander. Und ich verzichte gern auf viele Dinge in meinem Leben, bettle meine Mama um Geld an, wünsche mir zu all meinen Anlässen nur Geld für meine Kinder, damit ich ihre Sicherheit so gut es geht gewährleisten kann.

Aber ich kann ja anderen Menschen keinen Reboarder aufzwingen?

Diese Frage hat mich ehrlich gesagt am meisten erstaunt. Natürlich kann ich niemanden vorschreiben, welche Kindersitze er nutzt, ABER ich kann vorschreiben, wie MEIN Kind transportiert wird! Wenn der Opa keinen Reboarder in seinem Auto haben möchte, dann werde ich Wege finden, ohne diesem Auto zurecht zu kommen. Wenn sich die Tante keinen Reboarder leisten kann, dann kann ich das absolut verstehen. Dann darf sie halt mit meinem Auto fahren. Wenn es einfach nicht möglich ist, mehrere Reboarder für mehrere Autos anzuschaffen, dann nehm ich mir einen Reboarder, der leicht ein- und ausgebaut werden kann, wie z.B. den HY5 von Nachfolger. Ich entscheide, wie mein Kind mit mir Fahrrad fährt, welchen Helm es beim Schifahren trägt, ob es mit dem Kindergarten öffentliche Verkehrsmittel nutzen darf, usw… Also liegt die Entscheidungsgewalt, wie mein Kind transportiert wird, immer bei mir!

Welchen Reboarder würde ich empfehlen?

Da ich nur eine Privatperson bin, kann ich auch nur von meinen privaten Erfahrungen berichten. Wir haben dank Hilfe vom spazifizierten Fachhandel die für uns passenden Reboarder gefunden. Aber wie beim Tragen der Kinder oder auch Stoffwindeln muss ein Reboarder individuell passen. Daher rate ich zu einer guten Beratung. Wer sich schon vorab schon mal ein wenig informieren möchte, dem leg ich Reboard-Kindersitz ans Herz. Der dazu gehörige Verein hat auch eine Google Maps Karte erstellt mit empfehlenswerten Händlern (gelb bzw. grüne Marker).

Axkid Minikid
Für uns war der Axkid Minikid die passende Wahl.

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