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Toxoplasmose in der Schwangerschaft

August 11, 2015

Immer wieder lese ich, dass Schwangere ihre Katzen weggeben, weil diese ja eine Gefahr für das Ungeborene sein können. So genau scheint sich aber dann doch niemand damit zu beschäftigen und ich wollte aber mal genau wissen, was hinter dieser Angst steckt. Anscheinend geht es dabei um Toxoplasmose, einen Parasiten, der tatsächlich die Katzen als Endwirten nutzt, um sich fortzupflanzen.
Da wir neben 4 diesbezüglich gesunden Mietzen auch eine chronische Toxoplasmoseausscheiderin haben, kennen wir uns mit dieser Thematik etwas aus. Daher hier mal mein laienhafter Versuch, ein wissenschaftliches Thema auf Normalsprache herunterzubrechen 😉 Man möge mir etwaige Ungenauigkeiten verzeihen.

Bei einer Toxoplasmoseinfektion handelt es sich um den Parasiten Toxoplasma gondii, einen Einzeller, der einen komplexen Lebenszyklus folgt. Im Enddarm einer Katze entstanden, wird er als Oozyste durch den Kot ausgeschieden und hofft, in einem Zwischenwirt (vorzugsweise Katzenbeute, also z.B. kleine Nager) zu landen. Dort wandert er ins Hirn und bewirkt eine Wesensänderung seines Zwischenwirtes. Es gibt bereits Tests, die zeigen, dass befallene Ratten sich gern in Gefahr begeben (mit Katzenurin getränkte Ecken im Versuchsraum). Sinn dahinter ist es für den Parasiten, dass der Zwischenwirt von einer Katze gefressen wird, denn nur in ihrem Darmtrakt kann er sich vermehren und so schließt sich der Kreis.
Nun ist es aber natürlich so, dass der Parasit nicht nur von Katzenbeute aufgenommen wird, sondern durchaus auch mehrere Stationen auf dem Weg zum Katzendarm durchlaufen muss. So kann er z.B. auch mal in einer Kuh landen (daher der Verzicht auf rohes Fleisch!) oder durch unachtsame Gartenarbeit oder das Reinigen des Katzenklos im Menschen. Aktuell wird gerade erforscht, ob der Parasit an unverantwortlichen, unpünktlichen oder risikoreichen Verhalten von betroffenen Menschen Schuld sein kann, denn tatsächlich hat jeder 2. Mensch mittleren Alters bereits eine Infektion hinter sich und somit den kleinen Parasiten im Hirn. Die Infektion an sich ist übrigens kaum zu bemerken, manche verspüren ähnliche Symptome, wie bei einem leichten gripalen Infekt. Gefährlich wird die Erstinfektion nur für bereits immunsuppressive Menschen oder eben für Ungeborene.
Da aber liegt der Knackpunkt: Fand einmal eine Infektion statt, steckt man sich in der Regel nicht noch einmal mit dem Parasiten an, der Körper hat genug Abwehrstoffe dagegen. Daher wird zu Beginn einer SS auch immer der Toxoplasmose-Titer bestimmt.
Nur, wenn bisher noch keine Infektion stattgefunden hat, kann eine eventuelle Erstinfektion während der SS für das Baby gefährlich werden. Je früher die Erstinfektion stattfindet, desto höher ist die Mortalitätsrate, die sinkt mit dem Alter des Fötus, die Gefahr einer Behinderung ist aber die ganze SS gegeben.
Als Schwangere, die also bereits einen ordentlichen Titer besitzt kann man also ruhig durchatmen. Und auch Schwangere, die keinen Titer haben, müssen deswegen ihre Katzen nicht gleich weggeben. Da sich die Oozysten nur im Kot befinden und erst nach 24-48 Stunden entwickeln reicht regelmäßiges Reinigen des Katzenklos (1-2Mal tgl.) durchaus aus! Das kann ja dann gern jemand anderer erledigen, wobei es schon ein großer Zufall sein muss, dass sich im Kot Oozysten befinden.
Denn anders, als von vielen Menschen geglaubt, bleibt der Parasit bei der Katze nicht im Körper, wie beim Menschen, der als Zwischenwirt fungiert, sondern wird ausgeschieden, d.h. man müsste gerade zufällig eine Infektion daheim haben, das Katzenklo müsste mind. 24 Stunden nicht gereinigt worden sein und dann müsste man sich auch noch mit ungewaschenen Fingern so verdrecken, dass eine Schmierinfektion stattfindet.
Ich hoffe, ihr seht, es müssen schon viele Zufälle und ziemlich mangelnde Hygiene vorherrschen, damit sich eine Schwangere durch Katzen infiziert. Viel wahrscheinlicher ist da der Kontakt durch Gartenarbeit oder rohes Fleisch. Ein Auszug der Katzen ist also nicht notwendig!

Btw. Meine halbe Familie trägt diesen Parasiten in sich, ich seltsamerweise aber nicht und das obwohl wir eine chronische Ausscheiderin haben. (Bei ihr hat sich aufgrund einer anderen Erkrankung der Parasit nicht ausgekannt und ist falsch in ihr Hirn abgebogen ^^) Es ist also nicht ungewöhnlich und auch nicht schlimm, falls euch euer Gyn bei der Schwangerschaft verkündet, dass ihr einen positiven Toxoplasmose-Titer habt. Im Gegenteil, ihr könnt euch freuen, ein Risiko für euer Baby ist damit nicht gegeben 😉

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