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Stillen muss erlernt werden

Oktober 5, 2015

In letzter Zeit beschäftige ich mich recht viel mit Ernährung, lese mir Programme und Erfahrungsberichte durch und stoße dabei auch sehr oft an die Angrenzung zum Stillen. Und dabei fällt mir auf, dass es anscheinend Gang und Gebe ist, beim Essensstart oder eben auch Beikoststart genannt, immer mehr auf Milch zu verzichten. Nachdem ich mit ein paar Mamas darüber gesprochen habe, warum sie denn eigentlich so schnell von der Milch weg wollen bin ich überraschenderweise neben dem Klassiker „weil sie ja normal essen sollen“ häufig auf verschleppte Stillprobleme gestoßen.

„Ich hab noch nie viel Milch gegeben und musste Milch zufüttern. Damit fühl ich mich aber nicht wohl, also möchte ich, dass sie schnell ordentliche Mahlzeiten zu sich nimmt“
„Er beisst mich so oft und es tut einfach nur noch weh. Ich will einfach nicht mehr.“
„Meine Milch ist nach einigen Monaten einfach versiegt und sie muss ja trotzdem satt werden.“
„Mein ganzes Umfeld hemmt mich beim Stillen, jetzt muss er halt normal essen“

Mag sein, dass ich da zu viel reininterprtiere, aber es wirkt auf mich schon so, als ob der (teils verfrühte) Beikoststart nur deswegen mit Druck und Zwang vollzogen wird, weil ein anderes Problem nicht bewältigt werden konnte.
Ich glaub ich hab es schon mal erwähnt, aus körperlichen Gründen nicht stilln zu können betrifft eine minimale Gruppe von Frauen, Herbert Renz-Polster spricht in seinem 2012 erschienenen Buch „Kinder verstehen“ von 1-3%, nicht mehr! Spricht man aber mal mit 100 Frauen, sind wesentlich mehr davon überzeugt, nicht stillen zu können. Meist wird von plötzlich versiegter Milch gesprochen oder aber von Schmerzen beim Stillen oder aber auch bei vollen Brüsten. Klar sind das alles vorhandene Probleme und müssen ernstgenommen werden. Sie totzuschweigen und sich damit abzufinden ist keine Option auf eine Lösung des Problems! Auch nicht, es solange durchzustehen, wie es laut Gesellschaft notwendig ist, um dann so schnell wie möglich auf Familienkost umzusteigen!
Im 1. Lebensjahr gilt das Baby als Säugling und das nicht ohne Grund: Laut mehreren Empfehlungen sollte Milch die Hauptnahrung für das Kleine sein, jedes sonstige Essen ist als BEI-Kost zu verstehen und als solches auch nicht dazu geeignet, alleinige Ernährung zu sein. Jedes Kind stillt sich irgendwann selber ab und darf es das selber entscheiden würde keines nach 4 Monaten damit aufhören!
Und auch für die Mutter hat Stillen mehrere psychische sowie physische Vorteile, also sollte es wahrgenommen werden. DOCH und jetzt komm ich zum großen Kritikpunkt: Stillen muss erlernt werden und es bedarf feinfühliger und fachkräftiger Unterstützung! Und daran mangelt es in den meisten Fällen.

Das fachliche Wissen
Früher erlernten Mädchen schon in der Großfamilie, wie das Stillen funktioniert. Die Mutter stillte die Geschwister, die ältere Schwester den Neffen, beide hatten Hilfe von der Großmutter, die ihr Wissen ihrerseits widerum von deren Mutter erlernt hat. Dieses Familiengefüge fehlt uns fast gänzlich. Gestillt wird heimlich zu Hause am besten im stillen Kämmerlein ganz alleine. Darüber wird nicht geredet. Das Mädchen hat kaum/ keine Chance, in die Thematik reinzuwachsen. Kommt es dann nach Jahren selbst in die Lage, Mutter zu werden fehlt diese Selbstverständichkeit. Aber dabei muss es nicht bleiben. Doulas, Hebammen und Stillberaterinnen können hierbei helfen, meist sind sie die beste Hilfe überhaupt. Kinderärzte, Freundinnen, oder aber auch andere Mamas haben nur in den seltensten Fällen eine Ausbildung zum Stillberater genossen und können zwar mit eigenen Erfahrungen oder aber auch angelesenen Wissen helfen, aber es bedarf einer kompetenten Stillberatung und die braucht meist persönliche Betreuung. Und hier mein Aufruf an alle Mamis mit Stillproblemen: Sucht euch Unterstützung! Die LaLecheLiga kann z.B. helfen oder man sucht sich online auf andern Weg Untertsützung, aber belasst es nicht bei einem Problem. Die Chemie muss stimmen, passt es nicht, sucht euch einfach jemand anderen! Ihr habt das Recht dazu! Und ihr habt das Recht auf eine erfüllte Stillbeziehung!

Die feinfühlige Unterstützung
Oftmals sind es Mütter/ Schwiegermütter/ Omas und andere starke Frauenbilder, die gerade Neomütter stark verunsichern. Dabei meinen sies bestimmt nur gut, aber oft ist weniger mehr und nur selten fragen diese Damen nach, welche Hilfe eigentlich gebraucht wird und überhäufen mit Tips & Tricks, die ihnen damals geholfen haben. Hier rate ich allen Mamis: Ignorieren oder standhaft zurechtweisen! Gebt ihnen, aber auch z.B. dem Papa oder der Freundin Anweisungen, was ihr gerade tatsächlich braucht, was euch gerade tatsächlich Kopfzerbrechen macht. Ich habe z.B. während des Stillens besonders zu Beginn immer wahsinnigen Durst entwickelt, also hab ich den Papa immer um ein Glas Wasser gebeten, bis er es von sich aus selber gebracht hat, wenn er mich stillen sah. (Das macht er übrigens heute noch ^^) Und auch wenn ich mich gerne mit anderen Mamis austausche, frage ich oft auch konkret nach Tipps bei Schwierigkeiten und hole mir so die Info, die ich tatsächlich haben will, anstelle mich von Infos erschlagen zu lassen.

Stillen ist keine Fähigkeit, die uns plötzlich zugeflogen kommt, sobald wir ein Kind haben. Es ist ein Lernprozess, immer und immer wieder. Jedes Kind kann anders sein, jede Altersphase usw. Es hilft nur probieren, neue Blickwinkel zulassen und sich wirklich hilfreiche Unterstützung zu suchen. Lasst euch von niemanden etwas anderes einreden, lasst euch nciht verunsichern, wenn es mal nicht so gut klappt und vertraut eurem Körper und natürlich auch eurem Kind! Und nicht vergessen: Ihr habt das Recht auf Hilfe und ihr habt auch das Recht dazu, eure Hilfe selbst auszuwählen!

Anmerkung: Auch Prenahrung reicht als Ernährung im 1. Lebensjahr im Grunde aus. Das Kind wird sich die nötigen Nährstoffe durch die Beikost holen, sollte aber trotzdem nicht gezwungen werden, Essen vom Familientisch zu schlucken. Wie gesagt: Säugling im 1. Lebensjahr braucht Milch as Hauptnahrung und entscheidet den Weg zum Familienessen selber, manche schon etwas früher, manche etwas später, gerade so, wie es das Individuum braucht.
Und natürlich nehm ich hier alle Mamis aus, die aus individuellen Gründen nicht stillen wollen oder können! Mir geht es hauptsächlich um die Mamis, die glauben, nicht stillen zu können und wahrscheinlich mit der richtigen Hilfe ihren Wunsch nachkommen hätten können.

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