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Schwanger Stillen

November 9, 2016

Das ist ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt, denn es kursieren immer noch viele Gerüchte da draußen herum, genauso wie Fehlinformationen und leider sind viele Fachleute (Ärzte, Hebammen, usw.) ebenfalls nicht ausreichend oder falsch informiert und schüren dadurch noch mehr Angst herauf. Es geht dabei um das Stillen während einer erneuten Schwangerschaft.


Als ich zum ersten Mal schwanger wurde hab ich mich in meinem Umfeld mal so umgehört. Ein Großteil der Frauen hat gar nicht oder nur kurz gestillt, hauptsächlich, weil sie nicht genug Milch hatten. Heute weiß ich über clusterfeeding, nach Bedarf stillen, Stillrythmen usw. Bescheid und bin überzeugt davon, dass es wohl eher am falschen Stillmanagement lag, wobei ich, wenn überhaupt, die Schuld nicht bei den Müttern selbst sondern viel mehr an den Fehlinfos, die die Mütter bekamen sehe. Ich habe mir damals daher kleine Ziele gesteckt. Zunächst wollte ich 3 Monate lang stillen, dann 6 Monate, später wuchs dann das Ziel auf 1 Jahr und inzwischen setze ich mich gar kein neues Ziel mehr, sondern lass es einfach auf mich zukommen.
Als klar wurde, dass ich längere Zeit stillen will, kam es zu einem Konflikt mit dem weiteren Kinderwunsch. Jede Endomama weiß, die Chance auf eine erneute SS ist nach der Geburt am höchsten und sinkt mit jeder Monatsblutung (grob vereinfacht). Ich bekam aber meine Periode bereits nach 5 Wochen und wir wollten daher recht bald ein weiteres Kind haben. Gleichzeitig wollte ich aber lange unseren Sohn stillen. So ergab sich das Dilemma Stillen oder Schwangerschaft. In meinem Kopf hatte ich noch einige Gedanken, die man halt so über die Jahre aufschnappt und so begann ich mal zu recherchieren.

Mythos 1: Um schwanger zu werden musst du abgestillt haben
Falsch – Um schwanger zu werden braucht man einen Eisprung. Es stimmt, das der Zyklus nach der Geburt einige Zeit auf sich warten lassen kann. Es stimmt auch, dass das Stillen einen Einfluss auf das Eintreten des Eisprungs haben kann. Aber unabhängig vom Stillen oder nicht, kommt der Zyklus bei manchen Frauen, wie mir z.B. nach wenigen Wochen, bei anderen erst nach Monaten und widerum andere Frauen haben sogar über Jahre hinweg keinen Zyklus. Gibt es einen Eisprung, kann also eine Schwangerschaft möglich sein.

Mythos 2: Die Schwangerschaft ist in Gefahr, wenn du stillst
Falsch – Die Gebärmutter reagiert erst zum Schluss der Schwangerschaft auf das beim Stillen ausgeschüttete Hormon Oxytocin, das tatsächlich wehenanregend ist. Bis dahin gibt es bei einer normalen Schwangerschaft keine Reaktion auf das Hormon. Verspürt eine schwangere Stillende während des Stillens Wehen, sollte sie das selbstverständlich mit dem Gyn abklären. Ansonsten kann ohne Risiko weitergestillt werden. Ich stille aktuell in der 40.SSw und habe keinerlei Auswirkungen auf die Gebärmutter.

Mythos 3: Das Stillbaby entzieht der Mama alle Nährstoffe, sodass das Ungeborene sich nicht (ausreichend) entwickeln kann
Falsch – Muttermilch wird aus dem Blut der Mutter gebildet, genauso wie die Versorgung des Ungeborenen aus dem Blut der Mutter geregelt wird. Bei unzureichender Versorgung, wie z.B. während der Hyperemesis gravidarum, kann der Körper hierbei auf Depots der Mutter zurückgreifen. Das bedeutet, die erste, die einen Mangel wahrnehmen würde, wäre die Mutter. Das widerum bedeutet aber auch, solang sich die Mutter vielfältig, ausreichend und gesund ernährt, bietet ihr Körper mehr als genug Nährstoffe für sich, das Stillkind und das Bauchbaby. Kleiner positiver Nebeneffekt: Ja, der Körper braucht etwas mehr an Nährstoffen und Energie, d.h. eine schwangere Stillende darf gern etwas mehr essen 😉

Mythos 4: Stillen laugt die Schwangere zu sehr aus
Auch falsch – also zumindest nicht richtig. Die Schwangerschaft zehrt stark an den Kräften einer Frau, viele fühlen sich schlapp, erschöpft und müde. Auch das Leben mit einem Baby/ Kleinkind zehrt stark, ergo ist es als schwangere Mutter eines Babys/ Kleinkindes schon sehr anstrengend. Das Stillen hingegend, laugt an sich nicht aus. Es gibt keinerlei Hinweiße, dass Stillen die Mutter erschöpft, vielmehr sind es der Schlafmangel, der Energieaufwand, ein Kind zu betreuen und die Schwangerschaft, die zur Erschöpfung führen. 

Mythos 5: Die Brustwarzen schmerzen so sehr, dass man abstillt
Das kann stimmen, muss aber nicht. Eine Pauschalaussage ist daher nicht zulässig. Die Brustwarzen werden in der Schwangerschaft sensibel, es gibt Phasen, da ist schon das Gefühl eines weichen BHs so unangenehm, dass man es kaum aushalten kann. Es gibt aber auch viele Frauen, die nicht so darunter leiden, die auch kaum Unterschied während des Stillens bemerken. Ich hatte zeitweise schon Phasen, in denen mich das Stillen genervt hat, ich das Gefühl als sehr unangenehm empfand. Geschmerzt hat es mich zwar nicht, aber ich gebs ehrlich zu, es gab Phasen, in denen ich das Stillen nicht mehr genießen konnte. Das hat sich aber meist nach 2-3 Wochen gelegt. 

Mythos 6: Die Milch geht zurück/ verändert ihren Geschmack
Manchmal richtig, manchmal falsch. Auch das ist von Frau zu Frau unterschiedlich und hat demnach auch unterschiedliche Auswirkungen auf eine bestehende Stillbeziehung. Meine Milch ging tatsächlich gegen Mitte der SS deutlich zurück, wobei das auch die Zeit war, in der der kleine Hase einen Essensschub hatte. Er stillte also von sich aus deutlich weniger, als bis dahin und aß viel mehr. Was jetzt Ursache und was davon Folge war, kann ich nicht sagen, aber einige Zeit später hat sich unsere Stillbeziehung wieder zurückverändert, er stillte wieder mehr und ich hatte auch wieder mehr Milch.
Geschmacklich kann ich nichts dazu sagen, mir kam es schon vor, dass die Milch dem kleinen Hasen nicht mehr sooo gut schmeckt, aber das kann auch nur ein subjektiver Eindruck sein. Da er noch nicht spricht, kann er mir nicht mitteilen, ob die Milch anders schmeckt, aber ich hab schon von vielen Frauen gelesen, deren ältere Kinder irgendwann sagten, die Milch schmecke anders oder auch nicht mehr so gut. Ob sie sich nun anders schmeckt oder nicht, an seinem Stillverhalten hat sich bei meinem Sohn diesbezüglich nicht wirklich was verändert. Zumindest nicht merkbar.

Woher kommen dann all diese Mythen?
Einen Großteil am Stillwissen erlangt die Neomama vom Umfeld. Häufig sind es Mütter, Omas, Tanten oder Freundinnen, die ihre eigenen Erfahrungen weitergeben und dazu mischt sich nicht selten irgendwo Aufgeschnapptes oder Gehörtes. Liest man mal ein wenig in Foren, dann stößt man recht bald auf irgendjemanden, der von der Nachbarin gehört hat, die Schwester habe ihr Ungeborenes wegen des Stillens verloren. Häufig wird das auch mit Aussagen wie das hat der Arzt ihr gesagt untermauert. Überprüfen kann man diese Geschichten nur selten und es fehlen dazu eigentlich immer relevante Zusatzinfos. So auch bei der Aussage Ich konnte nur 4 Monate lang stillen, danach hatte ich keine Milch mehr. Laut aktuellen Studien können nur 2-5% der Frauen tatsächlich nicht stillen. Bei den restlichen Frauen liegt der Hund in Fehlinformationen, falschem Stillmanagement, Unwissen oder Verunsicherung durch andere begraben.

Ich rate daher allen Mamas, die sich mit dem Stillen, schwanger stillen, Tandemstillen befassen wollen, sich an die richtigen Stellen zu wenden. Und das sind nunmal Stillberaterinnen. Sofern sie nämlich keine Weiterbildungen besucht haben, sind Gynäkologen, Hebammen, Kinderärzte, Ernährungswissenschaftler und dergleichen zwar Spezialisten auf ihren Gebieten, nicht aber auf dem Gebiet des Stillens.

Wie siehts bei uns aus?
Ich bin aktuell am Ende der 40.SSW, stehe also kurz vor der Geburt meines zweiten Kindes. Mein erster Sohn ist mit seinen >1,5 Jahren sowohl von der Größe, als auch dem Gewicht her im oberen Durchschnitt, mein Ungeborenes liegt laut letzten Schätzungen auch genau im Durchschnitt. Ich selber habe meinem BMI entsprechend gewünscht zugenommen und uns allen dreien geht es mit schwanger stillen nicht anders, als anderen Schwangeren mit Baby/ Kleinkind.

Ein Erfahrungsbericht auf nestling.org: http://www.nestling.org/tandemstillen-baby-kleinkind/
Kurzzusammenfassung auf stillkinder.de http://www.stillkinder.de/stillen-in-der-schwangerschaft-und-tandemstillen/
Infos der Afs http://www.afs-stillen.de/index.php/rund-ums-stillen/lexikon/A-F/166-wie-sicher-ist-das-stillen-waehrend-einer-schwangerschaft
Älterer Erfahrungsbericht und Infos von Maryam http://www.stillclub.org/tandem.htm

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