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Schmetterlingsreise: Wir lassen sie frei

Mai 19, 2018

Ich bin: Stadtmensch und Naturliebhaberin

Vor genau 3 Wochen zogen 10 Raupen bei uns ein – Raupen aus denen im besten Fall 10 Distelfalter werden sollten. Und wir hatten Glück: In den letzten 3 Wochen konnten wir die Entwicklung von 10 kleinen Miniraupen, zu 10 Puppen mitverfolgen und heute schlussendlich 10 Schmetterlinge in die Freiheit entlassen.

Jedes Ende zeigt auf einen neuen Anfang

Die Schmetterlingsreise haben wir nicht ohne Grund so zeitlich geplant. Diese drei Wochen sollten eine lebensnahe Darstellung von Zeit für Krümelchelchen sein, um ihn auf den Karenzwechsel ein zu stimmen. Denn genauso wie erhofft, sind die Schmetterlinge genau zu dem Zeitpunkt geschlüpft, als der Papa seine letzten Arbeitstage und ich meine ersten hatte. Doch Zeit als Datum (am Tag xy) oder auch in Wochen gerechnet wäre für unseren 3jährigen einfach noch nicht fassbar gewesen. Anders hingegen verlief das ganze mit unserer Schmetterlingsreise. Jeden Tag wuchsen die Raupen, würden größer und dicker. Eine nach der anderen begab sich in die J-Position, in der sie sich in den folgenden Stunden verpuppte. Dann tagelanges Warten. Wir haben jeden Morgen eine Raupe auf ein Bild hinzugemalt, um bildlich darzustellen, wie lange, also wie viele Tage wir nun schon warten. Und dann war es so weit: Der erste Schmetterling schlüpfte und es war klar: Das waren Papas letzte Arbeitstage bzw. Mamas letzte Karenztage. Tag für Tag schlüpften immer mehr Schmetterlinge bis schlussendlich der letzte Falter aus seinem Kokon gekrabbelt kam und der Wechsel vollendet wurde: Mama ging nun in die Arbeit und Papa blieb daheim.

Ich bin traurig, weil die Schmetterlinge schlüpfen

 

Dass Krümelchen dies ganz gut verstand wurde klar, als er am Tag des ersten Schmetterlinges kundtat: „Ich bin traurig, weil die Schmetterlinge schlüpfen.“ Natürlich war er nicht darüber traurig, dass die letzten, recht langweiligen Tage der Puppen zu Ende waren. Er wusste, dass wir die Schmetterlinge nun bald freilassen würden und dass Mama nun bald tagsüber weg sein würde.

Der große Tag

Die letzten Tage war das Wetter scheußlich, ständig schwallartige Regengüsse oder stetiges Nieseln – absolut kein Wetter, bei dem man Schmetterlinge freilassen will. Also mussten die armen Geschöpfe noch bis heute warten. Strahlender Sonnenschein, aber nicht zu heiß. Der Ort war auch schnell gefunden: Mitten auf einer Blumenwiese, in der Nähe ein kleiner kühler Bach, und alles knapp neben dem Wiener Wald. Gemeinsam gingen wir also dort hin. Krümelchen war so stolz erfüllt, dass er locker 5cm größer war, als sonst. Den Kindern, die uns dabei sahen, erklärte er ganz genau und detailgetreu, was wir da bei uns hatten, warum und wie die Entwicklung der letzten 3 Wochen ausgesehen hatte. Und dann, am absolut perfekten Ort, setzte er das Habitat ab und wir öffneten es. Zuächst passierte gar nichts. Krümelchen gab vorwichtig die Hand hinein und hob einem der Flatterlinge aus dem Netz. Einige Zeit blieb er da auf seiner Hand sitzen und flog dann davon. So holte mein kleiner Hase einen Falter nach dem anderen hinaus, bis auf einmal die letzten Tiere mit einem Wusch alle gemeinsam rausflogen. Und das wars! Sie waren weg – in alle Himmelsrichtungen verstreut, der Sonne entgegen.

Symbolischer Übergang

Obwohl ich ja jetzt schon in der Arbeit war, empfand auch ich dieses Freilassen der Schmetterlinge als Beginn meiner Arbeits- und Ende der Karenzzeit. Die nächsten Monate werde nun ich tagtäglich früh aufstehen, meinem geliebten Beruf nachgehen und abends wieder nach Hause kommen, um die letzten Stunden des Tages mit meinen Kindern zu verbringen. Der Papa wird den Tag mit den beiden Jungs verbringen, sie werden spielen, kuscheln, essen und viele tolle gemeinsame Erlebnisse haben, während ich nicht da bin. Ja, das mag ein wenig schwierig sein, keine Frage – aber ich fühle mich wohl mit der Entscheidung und freue mich auf mein Dasein als berufstätige Mama 😉

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