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Ich weiß nicht, wie viel mein Kind isst…

November 15, 2015

… und das ist gut so. Als Mutter ist man um sein Kind besorgt. Wächst es gut, gedeiht es gut, ist es gesund, ist es beschäftigt, aber nicht überfordert, ist es gepflegt, usw. Wir machen uns Gedanken um Kleidung, die Transportart, den Schlaf und natürlich auch das Essen. Und bei all diesen Entscheidungen, die wir treffen, wollen wir selbstverständlich nur das Beste für unser Kind. Nicht umsonst blüht das Geschäft mit Elternratgebern, die uns beim Alltag mit unseren Kleinen helfen sollen. Dann gibt es natürlich noch die starken Frauen in unserem Umfeld, die selber schon Kinder großgezogen haben, die wissen Bescheid, die haben Ahnung und Erfahrung. Und wenn wir keine Mutter/ Großmutter/ Freundin haben, die wir fragen können bietet uns das Internet die Option mit so vielen Müttern im Kontakt zu stehen, wie wir wollen. Aber mal ehrlich, bei all diesen Tipps, Infos und Hilfestellungen von außen vergessen wir manchmal auf eine wichtige Person, die bei vielen dieser Entscheidungen schon mitmachen kann: Das Kind, um das es ja eigentlich geht!

Viele Dinge des Lebens kann Krümelchen nicht entscheiden. Er darf sich nicht die Unterhose aussuchen, er kann auch nicht bestimmen, was ich heute kochen werde. Aber bei ein paar Dingen ist es schon möglich, ihm die Entscheidung zu überlassen. So sucht er sich z.B. schon seit ca. 3 Wochen sein Spielzeug selber aus der Spielzeugkiste. Sofern es möglich ist, lasse ich ihn auch nackelig, wenn er sich nicht anziehen lassen will. Auch möchte er jeden abend zuerst selber mit der Zahnbürste herumbürsten, bevor ich das übernehmen darf. Es gibt immer mehr Punkte im Alltag, die er (mit)bestimmt. Warum ihn dann nicht auch bei der Nahrung miteinbeziehen?
Bevor wir mit der Beikost angefangen haben (und auch jetzt noch), wurde er nach Bedarf gestillt. Er ist es also gewohnt, den Zeitpunkt, aber auch die Menge selbst zu bestimmen. Es ihm vorzuenthalten würde in meinen Augen keinen Sinn machen, denn wenn ich jetzt etwas haben will, geh ich auch zum Kühlschrank und will keine 4 Stunden warten, nur weil irgendein Plan das so vorschreibt. Und umgekehrt ist es auch unmöglich, ein Kind zu stillen, das nicht will. Glaubt mir, in meiner ersten Unsicherheit hab ich das sogar mal versucht – absolut unmöglich 😉 
Aber bei der gängigen Beikost wird das in den Mund stopfen durchaus zelebriert? 
Das Kind hat eine gewisse Grammanzahl pro Mahlzeit runterzuschlucken. Am Vormittag 100g Getreidebrei, mittags 150g Gemüsebrei, nachmittags ein Obstgläschen und abends eine vorgegebene Menge an Milchbrei. Dieser Fahrplan, der in der Regel von Firmen entwickelt wird, hat neben einem steigenden Absatzmarkt für auf diesen Fahrplan abgestimmte Gläschen auch zur Folge, dass Mütter, vor allem junge Mamis, verunsichert sind, isst ihr Kind mal nicht die vorgeschriebenen 150g. Dann kommt noch eine andere Mutter, die stolz verkündet, das eigene Kind würde sogar 180g essen und es fehlt nur noch ein Kommentar der Großmutter über das „zarte Enkerl“ auf die Info, dass das Baby laut Kinderarzt auf der Perzentillie runtergerutscht ist und schon haben wir eine verängstigte Mutter, die sich große Sorgen um ihren größten Schatz macht, der augenscheinlich gerade verhungert. Das Kind selber ist aber munter und fidel, dier Kinderarzt hat keinerlei Bedenken geäußert und nebenher hat das Kleine auch noch gerade angefangen zu krabbeln. Doch das kann die Mama nicht sehen, sie sieht nur das Gewicht, das nicht wie erhofft in die Höhe schnellt. Sie hört nur die befreundete Mama und die eigene Mutter, die es ja eigentlich nur gut mit ihr meinen. Und bei all diesen Sinneseindrücken vergisst sie ganz darauf, auf ihr Kind zu hören… und in ihrer Verzweiflung und Sorge um die größte Liebe ihres Lebens füttert sie es… und noch ein Löffel und noch ein Löffel. 
Komm schon, mein Schatz, du brauchst die Kalorien! Ein Löffelchen für die Mama. Oh das schmeckt, gleich noch ein Löffelchen rein. So wirst du groß und stark. Einer geht noch…
Das Kind mag das nicht. Bisher hat es ja auch selber entscheiden können, wieviel es gegessen hat. Es kennt das Gefühl von Hunger und von satt sein. Vielleicht ist es aber auch gerade nur müde oder so neugierig, dass es grad lieber herumkrabbeln und entdecken anstelle von sitzen möchte. Es dreht den Kopf weg, presst die Lippen zusammen. Komm schon, ein letztes Löffelchen nur noch. Der Löffel landet überall nur nicht im Mund. Na super, jetzt hast ja gar nichts in den Mund genommen. Schau, gleich hamma das Gläschen aufgegessen! Das Kleine mag einfach nicht mehr. Die Mama ist angespannt, da stimmt was nicht, das kann es spüren. Es wehrt sich mit Händen dagegen. Schatzi, bitte, das ist wichtig für dich! Die Mama nimmt die Hände, hält sie fest und stopft den Löffel rein. Das Baby mag nicht. Es merkt gar nicht, dass es den Geschmack schon kennt und eigentlich sehr gerne mag. Die Stimmung ist einfach zu unangenehm. Es scheibt den Brei mit der Zunge wieder raus…
und so geht das Spiel immer weiter. Und am Nachmittag wieder. Und am abend… Und morgen… und ab jetzt jeden Tag… und dann irgendwann hört man die Mama nur ihr Leid klagen, das eigene Kind sei ein schlechter Esser. Früher mal, da hat es ganz gut gegessen, aber das hat sich leider irgendwann aufgehört und nun ist jede Mahlzeit ein Kampf… 

Ich weiß nicht, wieviel mein Kind isst, und das ist wahrscheinlich auch besser so. Ich kenne auch keine Fahrpläne, die vorschreiben, wieviel mein Kind pro Mahlzeit essen sollte. Das einzige, was ich weiß ist, dass ich meinem Kind beibringen möchte, dass Essen etwas Erfreuliches sein kann. Es gehört zum alltäglichen Leben, ist nichts Besonderes und kann uns doch ein Genuss sein. Wir haben keine Machtkämpfe beim Essen, weil mir egal ist, was und wieviel er isst. Ja es knickt mich, wenn er ein mühseelig gezaubertes Essen nur herumwischt oder mäkelig einzelne Komponenten rauspickt. Aber ich bin auch nciht anders. Ich suche mir auf der Speisekarte auch die Mahlzeit aus, die ich essen möchte und kommt dabei etwas, das mir nicht so gut schmeckt, picke ich einzelne Sachen raus. Der Koch kann ja auch nicht aus seiner Küche kommen, um mich mit dem Löffel zum Aufessen zwingen 😉
Warum erwarte ich anderes von meinem Kind? Wieso lasse ich es nicht mitentscheiden? Die Auswahl für das Essen treffe ich und leider gibt unser Tagesablauf auch den Zeitpunkt der Mahlzeit vor, auch wenn ich es an Krümelchen anpasse. Aber zumindest, ob und wieviel er vom Angebotenen essen möchte lasse ich ihn entscheiden. Er nimmt die Sachen in die Hand, erkundet und erforscht sie. Dann testet er mit seinem Mund weiter, die Lippen, das Gefühl am Gaumen. Was passiert, wenn er es mit den Kauleisten zerdrückt? Kann er es mit der Zunge am Gaumen zermatschen? Das sind alles Lerninhalte, die mein Kind lernen kann. Ich geb ihm die Gelegenheit dazu und er macht wie und was er will.
Satt wird er jetzt immer öfter durch das Essen. Immerhin machen wir BLW jetzt seit 2 Monaten. Gestern abend hat er eine riesige Portion Nudeln mit Soße verdrückt, sodass ich ihm zum ersten Mal sogar nachreichen musste, weil eine Portion nicht ausgereicht hat,. Das hatten wir noch nie. Natürlich wollte er danach nicht stillen. Ich weiß, dass er gestern abend viel gegessen hat. Ich weiß es, weil er mehr als eine Portion bekam und ich weiß es, weil er danach nicht mehr stillen wollte und erst zum Einschlafen die Brust wollte (und da auch mehr zum Einschlafnuckeln, als zum Stillen). Aber wie viel er gegessen hat, das weiß ich nicht. Ich weiß weder Gramm noch Milliliter…
…Und es fühlt sich gut an!

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