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Hyperemesis gravidarum

Mai 9, 2016

Boa, wie ich es inzwischen hasse. Natürlich hab ich Verständnis für all die lieben Menschen da draußen, die nur nette Worte als Unterstützung für mich suchen und daher nehm ich es den Personen an sich auch nicht übel. Ich verstehe ja die Überforderung mit einem Gebiet, von dem die meisten wissen zu glauben, worum es geht. Aber genau das ist es eben: Schwangerschaftsübelkeit ist nicht mit Hyperemesis gravidarum gleichzusetzen!
Ich danke jedem einzelnen, der versucht, mich aufzubauen, ein paar nette und tröstende Worte für mich zu finden. Ich freu mich über jeden Menschen in meiner Nähe, dem ich etwas bedeute und der mich unterstützen will. Und ich bin auch keinem Menschen böse, der voll am Ziel vorbeirauscht.
Vielmehr hab ich inzwischen eine Aggression den eigentlichen Aussagen gegenüber entwickelt. Ich kenne keine einzige Betroffene, der die klassischen Tipps geholfen haben. Daher hier mal meine persönlichen Favoriten, die ehrlich absolut zu 100% überhaupt gar nichts helfen, wenn man an Hyperemesis gravidarum leidet:

  • Ingwer – keine Ahnung, wieso, aber das scheint ja wohl das Allheimmittel gegen Übelkeit zu sein. Als Reisetabletten, frisch gerieben im Tee, in Speisen verarbeitet, gern auch eingeweicht im Wasser, egal wie, aber anscheinend hilft es bei normaler SS-Übelkeit. Bei HG hilfts nicht!
  • Senf – Ab und zu kann ich Senf essen, aber es hilft leider gar nicht gegen die Übelkeit. Im Gegenteil, es gehört definitiv zu den schlecht kotzbaren Dingen, denn der brennt wie Sau, wenn er mit Magensäure vorzugsweise auch noch in der Nase landet. 
  • kleine Schlucke Wasser – Ehrlich? Ich kann nicht mal im Traum daran denken, von etwas größere Schlucke zu nehmen, selbstverständlich trinken HG-Patienten nur kleine Schlucke. Aber Wasser ist fies, es überdeckt kaum die Magensäure beim Kotzen, da bevorzuge ich ehrlich gesagt Apfelsaft, der ist beim Hochwürgen nicht so eklig. 
  • Nach dem Aufstehen noch ein paar Minuten liegen bleiben – Ich brauch durchschnittlich 60-90 Minuten, um das Bett morgens zu verlassen. Wenn ich nach ein paar Minuten aufstehe, kann ich gleich weiter zum Klo rennen. 
  • Seabands – Das sind so Armbänder, die mit einem Knubbel Akkupressurpunkte stimulieren. Nett, aber es hat keinerlei Wirkung bei HG-Patienten!
  • Cracker – selbstverständlich versuche auch ich, meinen Magen möglichst nicht leer laufen zu lassen, denn meist kotze ich leer oder nur Magensäure – äußerst schmerzvoll und es brennt wie Hölle. Aber Cracker sind meiner Erfahrung nach dafür einfach viel zu trocken. Denn als HG-Patient kotzt du es wieder raus und es ist äußerst fies, einen trockenen harten Klumpen hoch zu würgen. Und nein, ich kann nicht einfach ein paar Schlucke Wasser dazu trinken, um das ganze zu erleichtern, siehe oben 😉 

Was mir übrigens hilft: Eigentlich nur 3 Sachen. 1. Wenn ich in einem Moment Gelüste auf etwas bekomme und es schnelllstmöglich zu mir nehme, hab ich große Chancen, dass ich es auch behalten kann. 2. Trinken kann ich aktuell eigentlich nur Apfelsaft gespritzt. Der bleibt sogar ein wenig drin und er lässt sich gut auskotzen. 3. Infusionen. Leider das einzige, was aktuell wirklich hilft, sind die Besuche im Spital und intravenös Flüssigkeitszufuhr. Mit dabei sind immer Nährstoffe, Elektrolyte und Glukose. Damit komm ich immer über ein paar Tage…
Medikamente will ich absichtlich (noch) nicht nehmen. Aktuell schwirren ein paar Medis am Markt, die eigentlich gegen die Übelkeit bei Chemotherapien entwickelt wurden, aber solang es mir irgendwie möglich ist, will ich darauf verzichten… 

Ein superlustiges (und leider wahres) Video zu dem Thema hab ich auf youtube gefunden:

Ich musste wirklich viel schmunzeln, weil ich mich darin stark wiedererkennen konnte. Und nahezu alle Aussagen durfte ich mir auch schon anhören…

Also an alle da draußen, wahrscheinlich werdet ihr niemals jemanden kennenlernen, der an HG leidet, außer ihr arbeitet mit Schwangeren, dann wahrscheinlich schon 😉 . Wenn euch jemand erzählt, dass er an außergewöhnlicher Schwangerschaftsübelkeit oder Hyperemesis gravidarum leidet, bitte erspart euch Ratschläge, die ziemlich sicher nicht helfen werden. Berichtet gern von eurer Erfahrung und erzählt, was euch geholfen hat, aber bedenkt, dass es der Betroffenen wahrscheinlich nicht helfen wird. Viel besser ist es da, wenn ihr der Person beisteht und sie einfach in ihrem Leidensweg begleitet.

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