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Hengstenberg – Pikler für Große

Juni 11, 2018

Ich bin: Mama eines möglichst freien Kindes

Als Schwangere oder spätestens als Neomama prasseln in der Regel diverse Kursangebot auf uns nieder. Die beste Freundin schwört auf PeKiP, die Schwiegermutter findet Babyschwimmen total wichtig und selbst hat man irgendwo gelesen, dass Babys Massagen brauchen, um zu entspannen. Für jeden Gedankengang gibt es inzwischen ein Kursangebot und wahrscheinlich raucht euch da, wie auch mir, schon der Kopf. Und trotzdem, oder vielleicht auch gerade deswegen nöchte ich euch heute ein Konzept vorstellen, das ihr vielleicht noch nicht gehört habt und dass mich besonders als Pädagogin anspricht: Der an Elfriede Hengstenberg orientierte Kurs.

Elfriede Hengstenberg lebte zu Zeiten von Emmi Pikler und zeitweise arbeiteten sie auch zusammen an Ideen und Projekten. Und genauso wie die Gründerin der inzwischen schon etwas bekannteren Piklerkursen steht auch bei Hengstenberg das freie Entdecken, Fähigkeiten kennenlernen und ausbauen sowie das freie Spiel im Vordergrund. Dazu nutzt sie einige Gerätschaften und auch Spielzeuge, die es den Kindern erlauben, möglichst ohne Eingreifen von Erwachsenen ihre Erfahrungen zu machen. Der Fokus liegt dabei aber im Gegensatz zu Pikler nicht beim herumkrabbelnden Baby, sondern vermehrt auf dem (Klein-)Kind, das bereits gut gehen und weitere motorische Fähigkeiten ausbauen kann.

Pikler für Große

Liebevoll nenne ich deswegen diesen Kurs auch immer Pikler für Große, denn die meisten Piklerkurse enden mit ca. 2-3 Jahren. Aber was dann? Viele Kinder gehen in dem Alter schon in Betreuunseinrichtungen oder sind bei der Tagesmutter. Es ist einfach nicht üblich, in solchen Räumlichkeiten diese freien Entfaltungsmöglichkeiten bieten zu können. Aber selbst daheim, wie z.B. bei uns ist es nur selten möglich eine komplette Ja-Umgebung so zu gestalten, dass das Kind sich motorisch frei und ohne Störung entfalten kann. Auch bei uns gibt es z.B. ein Katzenklo, womit bitte nicht gespielt werden soll… Auch bei uns gibt es Regale, die zwar an der Wand montiert, aber nicht genug abgesichtert sind, um ein freies Herumklettern zu ermöglichen.

In diesem Kurs aber, in dieser einen Stunde, kann mein 3jähriger Sohn nun komplett autonom handeln, klettern, balancieren, springen, werfen, mit anderen Kindern agieren, kuscheln usw. Auch wenn es nur eine Stunde pro Woche ist, nimmt Krümelchen sich so unendlich viel aus dieser Zeit mit. Er verhält sich dort komplett selbstsicher, probiert Neues aus, fordert sich selbst aus eigener Motivation heraus. Ohne Anspruch von außen, ohne Druck, ohne Lob und ohne Anleiten von Erwachsenen. Denn wie beim Piklerkurs sitzen wir Eltern am Rande des Raumes auf einem Kissen. Bei uns gibts was zu trinken, einen Schoß, auf den er sich kuscheln kann, wenn er will und Hände die ihn empfangen, wenn er es braucht. Aber nur, wenn von ihm gewollt und geordert. Ansonsten dürfen wir in dieser Stunde unserem komplett kompetenten und autonomen Kind beim Leben zusehen. Eine großartige Erfahrung für uns Eltern und für die Kinder.

Brauchen wir wirklich noch einen weiteren Kurs?

Allen Eltern, die ihre Kinder bei mir betreuen lassen, empfehle ich so wenige Kursangebote wie möglich zu setzen. Der sogenannte Freizeitstress bringt den Kindern weniger, als dass er ihnen schadet. Aber wenn es einen Kurs gibt, den ich neben Fremdbetreuung, oder auch den daheim bleibenden Kindern empfehle, dann geht es immer in die Richtung des freien Entfalten. Malkurse ohne Regeln oder Vorgaben, Pikler für die Kleinsten oder eben unter anderem auch gerne Hengstenberg für die (Klein-)Kinder bieten freies Entfalten und erforschen des eigenen Ichs auf einer so zwang- und drucklosen Ebene, die wir kaum noch gewohnt sind oder ermöglichen können. Dabei bringt genau dieses Freie uns viel weiter 😉

Wo soll ich also hin?

Viele Hengstenbergkurse gibt es meiner Erfahrung nach noch nicht. Aber online wird man fündig und dann hilft natürlich noch die gute Mundpropaganda von Mamas in der Nähe, die ihre Kinder ähnlich aufwachsen lassen. Da Pikler als Kurs ein geschützter Begriff ist, hilft es auch, dort nach Angeboten für ältere Kinder nachzufragen, die wissen Bescheid, was in eurer Nähe angeboten wird. Ich wünsch euch viel Spaß bei den Kursen 😉

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