Geburt

Geburtsbericht

April 24, 2015

Am Samstag, den 18.04.2015 gings morgens ins Spital, um die Einleitung vorzunehmen. Fast eine Stunde lang wurde ein CTG gemacht, um den Ist-Zustand von mir und Krümelchen zu erfassen. Ein letzter Ultraschall bestätigte leider unsere Befürchtung: Krümelchen lag immer noch in der hinteren Hinterhauptslage, es würde also im wahrsten Sinne des Wortes eine schwere Geburt werden. Gegen 9:45 bekam ich dann das wehenstimulierende Gel an den Muttermund und gleich gegen 10 Uhr gingen leichte Wehen los. Eine Stunde lang hing ich erneut am CTG, das die Wehen auch schon gut protokollierte. Sie waren aber noch sehr leicht und so hieß es also spazieren gehen. Um 13 Uhr sollte ich wieder zurück sein, also hatten wir fast 2 Stunden Zeit. Wir verließen das Krankenhaus und spazierten ein wenig am Gelände herum. Zwischendurch pausierten wir für eine kleine Obstjause und ein Backgammonspiel, das ich haushoch gewann 😉 Kurz vor 13 Uhr wieder zurück ins Spital, wo ein Mittagessen für mich stand (Mhm lecker Tomatensuppe, Salat, als Hauptspeise Weißkraut, Erdäpfel und gedünstete Karotten und zum Schluss eingelegter Pfirsich) Obwohl ich nicht wirklich hungrig war, aß ich fast alls auf, wer weiß, wann ich wieder essen konnte 😉 Danach wieder ein CTG und wieder für 2 Stunden weggeschickt.
Dieses Mal pausierten wir die Spaziergänge im Krankenhauscafé, wo mich mein Liebster mit einer 1 und einer 2 tatsächlich beim Backgammon schlug… Vielleicht war das schon das erste Anzeichen dafür, dass der Tag nicht so verlaufen würde, wie ich es mir erhofft hatte 😉
15:30 eine weitere Einleitung, diesmal die doppelte Dosis. Und schon gings los. Die Wehen kamen in kurzen Intervallen und waren schon ziemlich heftig. Da ich mich in diesem Zimmerchen recht wohl fühlte, fragte ich die Hebamme, ob ich theoretisch auch hier entbinden könne. Wo immer ich will, hieß es daraufhin und so bekam ich meinen gewünschten Gymnastikball und eine Matte, auf denen ich im Vierfüßerstand die nächsten Stunden die Wehen gut veratmete. Mein Liebster wachelte mir Luft zu, wenn ich wollte, brachte mir zu trinken, kümmerte sich um Musik, streichelte meinen Rücken und lenkte mich ab, wenn ich es wollte. Ansonsten war er einfach nur da, er war einfach nur anwesend und in jeder Sekunde für mich zur Verfügung. Dieses Gefühl der Ruhe, so eine Harmonie, es war schon richtig kitschig. Ich fühlte mich trotz Schmerzen sehr wohl und dachte wirklich, das würde nun so weitergehen. So kniend halb auf dem Ball hängend konnte ich mir die Geburt sehr gut vorstellen und die Hebamme bestätigte mich in meiner Annahme, dass alles super gut laufe, ich alles richtig mache und wir gute Fortschritte machten. Schon um 18 Uhr war der Muttermund auf 2cm geöffnet, eine Stunde später um 19 Uhr dann schon 3cm.
Nach ca. 3 Stunden um 19:10 platzte dann die Fruchtblase, ein tatsächlich befremdliches Gefühl. Ich konnte nicht bestimmt sagen, ob es wirklich diese war oder ich aufgrund der Schmerzen meine Blase nicht mehr unter Kontrolle hatte. Aber die verfärbte Matte zeigte eindeutig Fruchtwasser an. Kurze Zeit später kam es zum Schichtwechsel und wir bekamen eine neue Hebamme. Ab ca. diesem Zeitpunkt aber änderte sich etwas: Die Pausen zwischen den Wehen verschwanden irgendwie. Noch während die eine Wehe abklang, kam schon die neue an. Das ging ohne Unterbrechung so. Laut Hebamme nennt man das Wehensturm. Diese Wehen hatten zur Folge, dass die Symphyse immer mehr wehtat und sich nicht erholen konnte. Ich hatte immer mehr das Gefühl, mein Schambein würde sich spreizen. Als sich die nächste Zeit rein gar nichts besserte schlug die Hebamme die Badewanne vor, vielen Frauen helfe diese bei der Symphysenlockerung.
Es war ganz schön schwierig von dem kleinen Kammerl in den großen Kreissaal am Ende des Ganges zu kommen und dann auch noch in die Badewanne. Da drinnen war es tatsächlich besser, es kamen immer mehr Pausen zwischen den Wehen und langsam war es wieder zu ertragen. Krümelchen war aber zu dieser Zeit schon recht tief im Becken und die Symphyse schmerzte immer mehr. Die eigentlichen Wehen waren gar nicht sooo das Problem, ich hatte wirklich das Gefühl, dass mir mein Becken vorne gespalten würde. Daher bat ich gegen 22:45 um ein Schmerzmittel. Da man mich und Krümelchen dazu besser überwachen musste, gings aus der Badewanne raus auf das Kreissaalbett. Auf der Seite liegend wartete ich darauf, dass es ein wenig erträglicher würde, leider vergeblich. Es wurde immer schlimmer. Von nun an begann ich so richtig zu schreien. Ich hatte das Bedürfnis, mein Becken an den Seiten fest zusammen zu drücken, um eine Spaltung zu vermeiden und dann kam die Hebamme auch schon zu mir und erklärte mir, dass die keine Frau mit Symphysenlockerung kenne, die es ohne PDA geschafft hätte.
Als ich irgendwann schreiend am Bett stand beschloss ich, doch einer PDA zuzustimmen. Es ging dann sehr schnell, um 23:30 Anästhesist hat sich vorgestellt, dann gabs einen Piekser und darauffolgend den eigentlichen Stich. Es war zwar unangenehm, aber ich war ganz ruhig und konnte auch locker lassen. Nach kurzer Zeit kam dann auch schon die Erleichterung. Ich spürte zwar jede einzelne Wehe, aber sie taten einfach nicht mehr weh. Die nächste Zeit konnte ich wirklich genießen. Wir lachten, tratschten, aßen ein paar Snacks und spielten sogar ein online-Spiel. Für ca. eine Stunde konnte ich schlafen und war wieder guter Dinge. Und das obwohl ich seither auch am Wehentropf hing, nachdem sie einen Geburtsstopp feststellen mussten.
Um ca. 2 Uhr nachts kam dann die Ernüchterung: Die ganzen Schmerzen hatten nur ganz wenig gebracht, der Muttermund hatte sich in den letzten 7 Stunden grad mal um 1cm auf 4cm geöffnet. Nachdem bereits beim Verabreichen der PDA der erste Geburtsstopp festgestellt wurde, meinten sie nun, es gäbe einen erneuten Geburtsstopp.
Daher hieß es nun: Wehentropf immer mehr aufdrehen. Die Wehen wurden wieder etwas schmerzhafter, aber auch gut auszuhalten. Ungefähr alle 1,5 Stunden ließ die PDA nach und ich bekam eine weitere Dosis nachgespritzt. Zwischenzeitlich kam eine Beckenendlage rein und wir mussten den Kreissaal wechseln, da BEL nur in meinem Kreissaal entbunden wurden und ich eh auch noch nicht so weit war. Die nächsten Stunden plätscherten so dahin. Mein Liebster hatte die Möglichkeit ein wenig zu schlafen und zu essen und auch für mich ging es so lala dahin.
Nach einigen Malen nachspritzen merkte ich allerdings, dass die PDA immer mehr nur einseitig wirkte. Schließlich wachte ab ca. 4-5 Uhr immer je eine Seite komplett auf inklusive Schmerzen und ich lag nur halbseitig betäubt da. Das gipfelte dann schließlich ab ca. 8 Uhr darin, dass die PDA die eigentlichen Wehenschmerzen zwar gut im Zaum hielt, die Symphysenschmerzen aber nicht mehr. Ungefähr zu dieser Zeit trat dann auch das unermessliche Bedürfnis zu pressen auf. Ich kann das nur schwer erklären, es hat sich angefühlt, als müsse ich jetzt pressen. Die Hebamme, die inzwischen wieder eine neue war wegen erneutem Schichtwechsel, meinte, das sei prinzipiell ein gutes Zeichen, ich solle aber noch nicht pressen, wir seien noch nicht so weit. Inzwischen war der Blasensprung über 12 Stunden her, weshalb ein Antibiotikum gespritzt wurde, um einer eventuellen Vergiftung entgegen zu wirken. Und leider bestätigte eine erneute Untersuchung die Befürchtungen: Krümelchen hatte sich im Becken so fest vekeilt, dass sich vor seinem Kopf eine neue Blase gebildet hatte, das Fruchtwasser konnte also nicht abfließen. Als diese aufgestochen wurde, zeigte sich schon das grüne Fruchtwasser: Durch den Stress der letzten Stunden hatte Krümelchen bereits das Kindspech abgegeben, ab jetzt konnte nicht mehr all zu lang gewartet werden. Zudem stand der Muttermund trotz hohem Wehentropfeinheiten wieder seit über einer Stunde bei 7cm und war bereits total geschwollen durch den Winkel, mit dem Krümelchen als Sterngucker rauszukommen versuchte. 
Wieder kamen Ärzte zu mir um erneut über einen eventuellen Kaiserschnitt mit mir zu sprechen, wie es im Laufe der Nacht bereits 2 Mal war. Sie erklärten mir, dass es noch vertretbar war, es weiterhin zu versuchen, aber eben nicht mehr lange.
Die nächsten 2 Stunden wurde also alles ganz genau beobachtet… In dieser Zeit wurden die Symphysenschmerzen immer schlimmer, ich kam wieder in einen Wehensturm, ich konnte einfach wirklich nicht mehr. Mein Liebster meinte, ich wirkte schon wie im Dellirium, nicht mehr ansprechbar und komplett weggetreten.

Um 10 Uhr gings dann leider einfach nicht mehr. Es kam wiedermal ein Ärzteteam zu mir rein und erklärte mir in kurzen Zügen, wie es aussah: Der Muttermund stand bei 7 cm und schwoll immer mehr an, es war der dritte Geburtsstopp, das Fruchtwasser war bereits grün, Krümelchens Herzschlag gefiel ihnen auch nicht mehr und schlussendlich stand immer noch die Sorge im Raum, ob Krümelchen mit seinem Sternguckerdasein mir nicht doch die Symphyse sprengen würde, daher war es nun nicht mehr vertretbar, weiter zu machen.
Ich nickte nur noch und hatte von da an nur noch einen einzigen Gedanken: Wenn ich nun akzeptieren würde, dass ich bei lebendigem Leib aufgeschnitten werde, würde ich mit Sicherheit durchdrehen. Dann müssten sie mich voll narkotisieren und ich würde alles für Stunden verpassen. Das wollte ich auf keinen Fall. Also beschloss ich mir selbst einzureden, dass dies nicht wahr sei. Das passiert nicht wirklich, das stimmt ja gar nicht sagte ich mir einfach.
Und so war es auch. Ich ignorierte alles, was um mich herum geschah, konzentrierte mich voll und ganz auf meine Hebamme und meinen Liebsten und blendete den Rest komplett aus. Es ging dann auch alles ganz schnell. Ich wurde auf ein anderes Bett gehievt, mit dem ich wo anders hin transportiert wurde. Dort bekam ich super sexy Kompressionsstrümpfe angezogen und wurde wieder auf ein anderes Bett gehievt. Das Krankenhaushemdchen, das ich irgendwann in den letzten Stunden angezogen bekommen hab (ich glaub das war nach der Badewanne) wurde abgenommen, stattdessen wurde ich mit Decken zugedeckt. Dann in den OP reingeschoben, vor mir wurde eine Art Vorhang hochgezogen, sodass ich nicht sehen konnte, was dahinter, also bei meinem Unterleib geschieht. Oberhalb des Vorhanges war die ganze Zeit meine Hebamme und auch der Anästhesist. Und nur kurze Zeit später kam dann auch schon mein Liebster, ganz in grün und komplett verkleidet. Ich glaub ich hab ihn nur an seiner Brille erkennen können 😉 Das ganze ging unglaublich schnell, ein paar Minuten vielleicht.
Und schon spürte ich wie an mir herumgerüttelt wurde. Es tat wirklich nicht weh, ich hab auch nichts an sich gespürt. Es war eher ein Empfinden des ganzen Körpers, es wurde halt an mir rumgerüttelt. Es war, als würde man mich eben am Bauch nehmen und kräftig hin und her rütteln – tut nicht weh, ist aber irgendwie strange. Die Schnitte, hm, vielleicht hats 3 Minuten gedauert, ging auf jeden Fall Ratz Fatz. Und schon hörten wir Schreie. Ich brauchte einen Moment um zu realisieren, dass es so schnell ging und tatsächlich schon vorbei war.  
Unser Sohn war auf der Welt! 10:48 Geburtszeit hörte ich nur so halb nebenbei. Eine Schwester brachte ihn sofort zu mir oberhalb des Vorhanges. Ich durfte ihn mir ansehen und ihn auch angreifen – unglaublich! Ich war total verblüfft, ein Gefühlschaos ohne Gleichen und so schnell! Da der kleine Mann die Nabelschnur um den Hals und den Körper mehrmals gewickelt hatte, wurde er dann schnell untersucht – aber alles in meinem Blickfeld, wenn auch seitwärts liegend 😉 Ich konnte sehen, wie sie ihn untersuchten, Atmung und keine Ahnung was noch alles 😉 Mein Liebster stand gleich neben ihm.
Und nach wenigen Momenten kam er auch schon in ein warmes Handtuch eingewickelt wieder zurück zu mir. Ich durfte ihn wieder angreifen und ihm seinen ersten Kuss seines Lebens auf seine Stirn geben. Sein Händchen war so unglaublich winzig, diese Fingernägel fast schon mikroskopisch und diese Augen… er hat die wunderschönsten Augen, die ich je gesehen habe! Seine Nase, einfach perfekt geformt, seine Wangen, sein Gesicht, sein Kinn… Mich hats ordentlich erwischt! Ich hab tatsächlich das schönste Kind auf der Welt!
Da ich natürlich noch nicht fertig war, gingen, wie schon vorher mit der Hebamme im Trubel irgendwie irgendwann irgendwo besprochen, mein Liebster mit ihr und unserem Sohn in den Kreissaal zurück, wo mein Schatz das Bonding mit unserem Sohn übernahm.
Die nächste… hm… ich schätz… halbe Stunde wurde ich wieder zugenäht. Kurzzeitig hatte ich das Gefühl, Panik könnte sich breit machen, da kam schon der Anästhesist und sprach mit mir. Mit Schwärmen über mein wunderschönes Kind lenkte er mich sensibel und einfach perfekt ab 😉
Ich wurde dann in einen Aufwachraum gebracht, wo sich zwei liebe Schwestern um mich kümmerten. Total geplättet schlief ich dann ein…
Bis ich ein sanftes gewohntes Hallo hörte. Es war mein Liebster, der mit unserem Sohn im Arm gerade ins Zimmer kam. Hinter ihm die Hebamme. Sie fragten mich, wie es mir erging und zeigten mir den kleinen Mann. Als ich ihn in die Arme nahm, fing auf einmal mein Überwachungsmonitor wild zu läuten an. Die Schwester kam herein, sah den Grund und meinte nur Ach, das sind nur die Muttergefühle. Der kleine Mann hatte anscheinend schon großen Hunger und wusste ganz genau, was zu tun ist, denn schon schwubbs war er angedockt und während die Schwester den immer wilder alarmierenden Überwachungsmonitor ausschaltete, stillte ich schon das erste Mal unser Kind.
Die nächste Stunde verbrachten wir gemeinsam noch im Aufwachraum, ehe wir ins eigentliche Zimmer gebracht wurde, wo ich die nächsten Stunden kuschelnd mit meinem Liebsten und unserem Sohn verbrachte. 
Von nun an gibt es uns zu dritt und von nun an darf ich 2 Männer lieben!

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