Baby 0-12 Monate | beziehungsorientiert | Entwicklung

Fördern – Überfordern

August 2, 2015

Jede Mami empfindet das eigene Kind mal grundsätzlich als außergewöhnlich toll und da mischt sich häufig auch noch ein wenig Ehrgeiz hinzu: man möchte ja auch, dass die ganze Welt erkennen kann, wie großartig und einzigartig der eigene Nachwuchs ist. Die Außenwelt kann aber leider nur selten erkennen, wie Besonders das eigene Kind ist und da wird dann gern mal ein wenig nachgeholfen.
Noch im Mutterleib ist das Kind besonders groß, besonders gut entwickelt, hat schon Daumen gelutscht, konnte schon früh gespürt werden usw. Dieses Vergleichen geht dann aber nach der Geburt erst richtig los: Mein Kind kann schon essen! Mein Kind kann schon plaudern! Mein Kind kann schon Krabbeln!

Natürlich sind das alles großartige Ereignisse, aber sie sollen das bleiben, was sie im Gunde sind: Individuell! Jedes Kind hat seinen eigenen Rythmus, manche überspringen auch gern mal eine Stufe komplett (ich kenn jetzt schon 2 Kinder, die nie gekrabbelt, sondern gleich aufgestanden und losgegangen sind 😉 ). Und auch wenn ich so leidenschaftlich und gern über das Leben meines Sohnes berichte und eben auch über die Neuigkeiten, die sich bei uns so tun, versuche ich wirklich nicht zu vergleichen. Dafür hab ich in meinem Beruf einfach schon viel zu unterschiedliche Kinder kennenlernen können – ich weiß, dass kein Kind mit einem anderenm vergleichbar ist. Und auch wenn ich mich gedanklich an den Durchschnitt halte und es mich dann ein wenig aus der Bahn wirft, wenn er z.B. schon so früh zahnt, weiß ich doch, dass das keine „Leistung“ ist, auf die ich stolz sein kann, sondern einfach mein Sohn – nicht mehr, aber auch nicht weniger 😉 So ist er halt einfach 😉

Und daher fällt es mir immer besonders schwer, die geeignete Beschäftigung für ihn zu finden. Es sagt sich so einfach: Spiel mit ihm und er wird dir schon zeigen, was er will. So einfach ist das aber gar nicht! Denn jedes Angebot, das ich ihm unterbreite, lenkt seine Aufmerksamkeit auf einen bestimmten, von mir gesetzten Aspekt. Biete ich ihm ein Greifspielzeug an, dann fördere ich damit die Feinmotorik. Zeige ich ihm sein Spiegelbild, wird er visuell stimuliert und spreche/ singe ich mit ihm wird seine Sprache gefördert. Spielen wir Fußspiele, ziele ich auf das Körperbewusstsein und die Grobmotirik, ja sogar das Schwimmen gehen im Schwimmbad ist ein zielgerichtetes Angebot, auch wenn es nicht bewusst oder absichtlich gesetzt wird.

Ich entferne mich jetzt mal bewusst von Förderspielen, die nur darauf abzielen, das Kind zu einem Wunderkind zu formen, was in Wirklichkeit eh nie so richtig klappt. Denn natürlich machen wir das nicht. Aber eben der Alltag an sich ist schon Förderung genug und manchmal überlege ich mir schon 2mal, ob wir den seinem Entwicklungsstand entsprechend auch geeignet gestalten.

Kleines Beispiel: Es will häufig sitzen – nein er kann sich noch nicht aufsetzen, wenn er sich auch gelegentlich schon ganz lässig vom Bauch auf eine coole gestützte Seitenlage, wie damals im alten Rom rollt – was ja auch eine Vorstufe des Sitzens ist. Aber er hat inzwischen sooo oft Phasen, in denen er schlicht und einfach nicht mehr liegen will. Meist können wir ihn dann mit dem Tragetuch ablenken und er kann aufrecht seine Welt wahrnehmen. Aber nicht immer ist das möglich und so landet er dann schon immer häufiger auf unserem Schoß sitzend, was ihm unheimlich gefällt. Und auch, wenn wir dabei auf einen runden Rücken achten, kommen da trotzdem schnell kritische Gedanken in uns auf. Ist sein Becken schon ausgereift? Ist das Gewicht nicht noch propotional zu schwer für seine Hüfte? Kann die Wirbelsäule das denn überhaupt schon stemmen?

Der Grad zwischen Fördern und Überfordern ist sehr leicht und wird nur allzu schnell überschritten. Ich unterstelle jetzt niemanden, sich durch sein Kind zu profillieren, ich merk es ja selbst an mir: Es ist wirklich nicht einfach, dem Kind individuell entsprechend gerecht zu werden, sodass weder Langeweile aufkommt, noch eine Überforderung stattfindet.

Anmerkung: Ja, natürlich weiß ich, dass es auch Eltern gibt, die sich dann doch durch das Kind und dessen „Leistungen“ identifizieren und mit anderen Eltern vergleichen, aber auf diese Eltern ziele ich hier nicht ab 😉 Und weil die Frage neulich aufkam, nein ich finde es nicht sinnvoll, ein 13 Monate altes Kleinkind auf Hochbegabung untersuchen zu lassen *augenroll*

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