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Echtes Interesse am Kind oder auch nicht

Juli 5, 2015

Da kommt ein Baby im Bekannten-/ Verwandtenkreis auf die Welt und auf einmal sprießt das plötzliche Interesse an der Kleinfamilie wie die Schwammerl aus dem Boden. Alte Freundinnen, die man schon Jahre lang nicht gesehen hat, wollen auf einml ein Treffen, Bekannte, mit denen man schon ewig nicht mehr gesprochen hat, geben auf einmal Tipps, wie es auf jeden Fall am besten zu handhaben ist und auch längst verschollene Familienmitglieder sind auf einmal wieder gesehen.
Ja auch wir wurden mit Aufmerksamkeiten und Geschenken von Leuten beschenkt. Und obwohl ich nahezu alle wieder auferlebten Beziehungen unglaublich schön finde, spür ich doch bei ein paar wenigen Leuten in meinem Umfeld, dass es eigentlich kein wirkliches Interesse am Krümelchen gibt.

Das an sich stört mich übrigens gar nicht, ich bin ja auch nicht an jedem einzelnen Baby interessiert, zu manchen hab ich einfach mehr Bezug als zu anderen. (Hängt bestimmt zum Teil auch mit meiner persönlichen Situation zusammen, in der ich mich gerade befinde.) Woher kommt aber dieser Zwang, man müsse sich für ein neues Baby interessieren? Ich nehme es keinem Menschen übel, wenns ihn nicht die Bohne interessiert, wies um Krümelchen steht. Ganz im Gegenteil, ich fühl mich nicht wohl in der Umgebung von Leuten, bei denen offensichtlich kein Interesse aus Eigeninitiative besteht, sondern die, keine Ahnung warum, sich selber zwingen, sich für den kleinen Hasen zu interessieren.
Ich finde, man merkt das immer ganz gut an den Fragen, die gestellt werden. Es gibt Leute in meinem Umfeld, die wissen, obwohl sie Krümelchen noch nie live gesehen haben, richtig gut Bescheid über ihn. Das liegt einfach daran, dass sie (meinen Blog aufmerksam lesen ^^ und) immer wieder konkret nachfragen. (Wie gehts mit seinem Schnupfen? Passen ihm noch seine Klamotten von Beginn? Wie war das nächste Bad? Habt ihr jetzt eigentlich impfen lassen? Wie läufts weiter mit dem windelfrei? Ist der eingerissene Fingernagel wieder heile? Wie gehts ihm bei der Hitze? usw.) Diese Menschen haben ein recht großes Wissen um Krümelchen und fragen auch wirklich detailiert nach.
Und dann gibts leider auch Menschen, die den kleinen Mann sogar schon (mehrmals) gesehen haben, die kaum eine Ahnung von ihm haben. Die Fragen dieser Menschen sind eigentlich auch immer die gleichen. Wie geht es dem Kleinen? Ist er gewachsen? Schläft er brav?
Ich hab schon bemerkt, dass ich diese oberflächigen Fragen irgendwie auch ganz simple und oberflächig beantworte.
Wie geht es dem Kleinen? Gut, danke!
Ist er gewachsen? Ja, er wächst ganz fleißig.
Schläft er brav? Ja, er hat eigentlich eh von Anfang an durchgeschlafen.
Meist endet damit dann auch schon die Unterhaltung zu diesem Thema und wir widmen uns anderen Thematiken. Woher aber kommt es, dieses sich selbst auferlegte Zwangsinteresse, das ja doch nur halbherzig ausgelebt werden kann?
Sicherlich wird von der Gesellschaft angenommen, dass man gut über ein Baby im Umfeld informiert ist. Ich habe selber schon die erstaunten Blicke spüren müssen, wenn ich zugegeben habe, dass ich kaum was über den Nachwuchs im Bekanntenkreis Bescheid weiß. Da ist es sicherlich angenehmer „joa, es geht ihm eh ganz gut. Ich hab erst neulich mit seiner Mutter über ihn gesprochen“ antworten zu können.
Aber jetzt mal ehrlich, das ist auf so vielen Ebenen unfair. Unfair dem gegenüber, der dich nach diesem Kind fragt, unfair dem gegeüber, der sich tatsächlich für das Kind interesiert, der Mutter gegenüber unfair, dem Kind natürlich auch und um ganz hart zu sein, ist es ja auch unfair dir selbst gegenüber. Denn wer will sich schon selber zu etwas zwingen, wo halt einfach das Interesse fehlt…

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