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Der Tragling

Januar 20, 2018
Tragepapa mit Baby

Ich bin: Tragemama

Rückentragling
Auch größere Kinder werden gern noch getragen.

Es gibt Nestflüchter und Nesthocker, so hab ich es damals im Biologieunterricht gelernt. Jedes Wirbeltier kann in eine der beiden Arten eingeteilt werden. Auf die Frage, was wohl der Mensch sei, antwortete damals die ganze Klasse: Nesthocker! Immerhin können wir nicht nach wenigen Stunden aufstehen und mit der Herde weiterziehen. Aber stimmt das so wirklich?

Definition eines Nestflüchters

Nestflüchter sind relativ einfach erklärt: Das Junge kommt weit entwickelt zur Welt, kann innerhalb kürzester Zeit den Geburtsort verlassen und ist entweder ganz selbstständig in der Lage, für sich zu sorgen, oder kann zumindest im Schutz der Artgenossen (Säugetier werden gesäugt, viele Tierarten werden noch von den Elterntieren geschützt) relativ selbstständig überleben. Es ist wohl eindeutig, dass wir Menschen nicht dazu gehören 😉

Ganz anders der Nesthocker

Auch Nesthocker erklären sich schon durch den Namen: ziemlich unreif geboren bleiben sie im schützenden Nest hocken und werden dort in der Regel von den Elterntieren mit Nahrung, Schutz und Wärme versorgt. Das hört sich schon eher nach uns Menschen an. Aber dann irgendwie doch nicht… Wieviele Babys bleiben schon von Natur aus still schweigend im Kinderwagen liegen, bis der Papa wiederkommt? Wieviele Menschenbabys können über Stunden hinweg alleine irgendwo geschützt verharren, bis die Mutter zurückkehrt? So ganz stimmig ist das dann doch nicht.

Mitten drin, aber trotzdem in geschützter Position.

Der Tragling!

Tatsächlich gibt es noch einen dritten Jungentypus, von dem ich in der Schule damals nichts gelernt habe: Der Tragling! Ziemlich unfähig alleine zu überleben, wird er nicht in einem schützenden Nest zurückgelassen, sondern einfach immer mitgenommen, wie z.B. beim Känguruh oder auch diversen Menschenaffen. So wie unsere nähesten Verwandten sind auch wir Menschen per Definition also eigentlich Traglinge. Hebt man ein Neugeborenes hoch, begibt es sich automatisch in die Anhockspreizhaltung (ASH), die perfekte Position, um auf der Hüfte, oder auch am Rücken/ Bauch des Elternteils getragen zu werden. Trageeltern kennen auch das „Kneten“ des kleinen Traglings; ein Überbleibsel des Festhalten im Fells, das uns über die Jahre hinweg verloren ging. Das Baby kann sich also nicht mehr selbst festhalten, wie Trageeltern brauchen aber unsere Hände frei, um den Alltag zu bewältigen. Und da kommt dann die Tragehilfe/ das Tragetuch ins Spiel.

Tragen aus Instinkt

Schreit ein Baby, jammert es, braucht es Nähe, Geborgenheit oder Nahrung; egal welches Bedürfnis es gerade hat, der erste Impuls der Bezugsperson ist in der Regel ein Hochheben. Wir heben unsere Kinder hoch, um sie zu trösten, um ihnen Nahrung und Nähe zu geben und selbstverständlich um sie zu transportieren. Dieses Verhalten haben wir sprichwörtlich im Blut, es ist unser Instinkt, unsere Kinder zu tragen. Um unsere Arme und unseren Alltag zu entlasten haben Menschen in allen Zeiten und Gebieten der Welt diverse Tragehilfen entwickelt. Die Bandbreite reicht von Kangatüchern, über Pogadis, bis hin zu Tragetüchern und modernen Tragehilfen.

Tragetuch testen
2006: mein erster Versuch, ein Tragetuch zu binden.

Muss ich tragen?

Welches Trageteil passt hängt immer vom Tragling und vom Tragenden ab, eine pauschale Aussage kann also nicht gemacht werden. Um die richtige Trage zu finden, empfehle ich eigentlich immer eine Tragebratung bei einer/m ausbegildeten Trageberater/in zu machen. In unserem Fall hat sich die Sammlung immer erweitert, je nach Situation gibt es bei uns daheim das bestpassenste Trageteil 😉 Aber es kann natürlich auch sein, dass gar kein passendes Teil gefunden wird. Dann ist das auch in Ordnung! Tragen soll vor allem eines: Die Bindung zum Kind stärken. Niemand profitiert davon, wenn auf Zwang oder unter Belastung getragen wird. Liebe und Nähe kann auch ohne Tragen vermittelt werden 😉

Zu uns passt das Tragen unserer Kinder, wir finden es praktisch und die Jungs lieben es, an uns gekuschelt, in Augenhöhe alles mitzuerleben oder alles zu verschlafen 😉 Wir haben unseren Weg gefunden und er passt auch zufällig genau zu dem Jungentypus zu dem sich der Mensch klassifizieren lässt: Der Tragling.

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