Beschwerden | Schwangerschaft

Absetzen der Antidepressiva

Januar 17, 2018
Antidepressiva

Ich bin: Patientin

Rückblick September 2016

Nachdem mir eine Freundin die Freundschaft gekündigt hatte, klappte ich plötzlich komplett zusammen. Hyperventilieren, hysterisches Schreien und Schluchzen, ich war einfach nicht mehr Frau meiner Sinne. Schon die letzten Monate war ich irgendwie nicht mehr ich selbst. Klar, ich hatte eine unangenehme Schwangerschaft, zudem noch ein Kleinkind daheim und durfte auch aufgrund der Probleme in der SS nicht mehr arbeiten. Da ich meinen Job sehr gern hab, hat mich das schon ordentlich mitgenommen. Mein Liebster schob es auf die anderen Umstände, mein Umfeld schob es auf die Doppelbelastung mit dem Kleinkind, aber in Wirklichkeit stimmte was nicht mit mir. Am Tag X war dann das Maß voll, ich musste was machen.

Vom Psychosozialer Notdienst zum Zentrum für perinatale Depression

Meine Schwester brachte mich mit dem psychosozialen Notdienst zusammen – großartige Einrichtung! Die haben erstmal abgecheckt, wie die Lage so steht und haben mich dann zur weiteren Betreuung weiterbegleitet. Ich kam dann also ins Zentrum für perinatale Depression. Schon im Wartezimmer sah ich sie: Die Mütter mit ihren kleinen Kindern oder noch schwanger. Sie alle sahen irgendwie ein wenig fertig und erschöpft aus. Aber würden sie mir auf der Straße begegnen, hätte ich sie nicht als Patientinnen hier eingeschätzt. Irgendwie hat man ja doch so ein Bild im Kopf: Die Mütter, die ausflippen, sich nicht mehr um ihre Kinder kümmern, und sie dann ans Jugendamt verlieren – übrigens auch meine größte Sorge. Wenn jetzt was diagnostiziert wird, werden mir dann meine Kinder weggenommen?

Im Behandlungsraum dann aber ein ganz anderes Bild: Ich wurde mit offenen Armen empfangen, meine Sorgen, Gedanken und Nöte angehört und recht schnell war klar, was ich am Dringensten brauchte. So kurz vor der Geburt wurde erstmal Notversorgung betrieben, damit ich noch ein wenig Kraft tanken konnte. Die eigentliche Behandlung sollte erst danach starten. Aber schon innerhalb kürzester Zeit merkte ich einen deutlichen Unterschied. Die ersten paar Tage schlief ich nahezu durch. Danach wurde der Schlaf zwar weniger, aber immer noch enorm viel. Nach 3 Wochen Behandlung merkte ich es langsam: ich war wieder fröhlicher, geduldiger, entspannter. Auch mein Umfeld bestätigte dies. Es ging bergauf!

Vom Absetzen und dann wieder nicht

Im Rahmen der letzten 15 Monate hab ich 2 Mal in Absprache mit der Psychiaterin die Dosis der AD je halbiert. Das hat mir aber gar nicht gut getan. Nach je 2 Wochen bin ich wieder ins Loch gefallen und musste wieder erhöhen. Daher haben wir uns gemeinsam zu einem ganz langsamen Absetzen entschieden. Damit klappt es ganz wunderbar. Die Stufen sind Minimal und dauern etwas länger als ich es mir gewünscht hätte, aber das Ziel rückt trotzdem immer näher. Nun ist es so weit: Ich hab vor Kurzem die letzte Stufe angefangen. Die nächste Besprechung wird dann Genaueres ergeben, aber ich vermute, dass ich in 1-2 Monaten endlich die Tabletten absetzen kann.

Es geht mir so gut, ich fühl mich so wohl, ich bin einfach glücklich. Selbstverständlich hab auch ich mal schlechte Tage oder finde manches unheimlich nervig, aber das ist alles im ganz normalen Rahmen. Noch vor einem Jahr war ich ein anderer Mensch. Geschafft hab ich das aber nicht alleine, das wäre wohl unmöglich gewesen. Ich hatte so viel Hilfe, so viel Unterstützung und ich bin jedem Einzelnen aus tiefstem Herzen dankbar. Ja selbst der Freundin, die mir damals die Freundschaft gekündigt hatte. 😉 Heute schaffe ich es, in allem etwas Positives zu sehen und selbst schlimme Erfahrungen relativ gut wegzustecken. Und endlich wieder mein Leben zu genießen…

Falls auch du mal akut einfach nicht mehr weiter weißt kann ich den psychosozialen Notdienst wirklich empfehlen! In den meisten größeren Städten gibt es solche Einrichtungen und für die Erstversorgung hilft oftmals einfach jemand zum Reden am Telefon.
Die Wiener Stelle hat mir damals geholfen: Psychosoziale Dienste Wien

Ebenfalls in Wien ist das Zentrum für perinatale (= pre- & postnatale) Depression: Spezialambulanz für perinatale Depression

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